In Ecuador wird ein Präsident von Soldaten gekidnappt und preist seine Freilassung anschließend als Sieg der Demokratie – Posse oder Auftakt zu einem Putsch?

Präsident León Febres Cordero, 54jähriger christlich-sozialer Chef einer Minderheitsregierung, war am Freitag vergangener Woche auf den Luftwaffenstützpunkt Taura, nicht weit von der Hafenstadt Guayaquil, geflogen. Er wollte dort in einer Zeremonie die Einheit der Streitkräfte beschwören, die seit Monaten wegen des Falles Frank Vargas Pazzos zerstritten sind. Auf dem Flughafen nahmen meuternde Soldaten den Präsidenten und seine Begleitung gewaltsam fest; es gab mindestens zwei Tote und ein Dutzend Verletzte.

Die Soldaten und Unteroffiziere verlangten, daß Generalleutnant Vargas Pazzos, ehemals Luftwaffenchef, auf freien Fuß gesetzt werde. Der als Haudegen bekannte Offizier hatte im März vergangenen Jahres zweimal eine Meuterei angezettelt, um Untersuchungen gegen den Verteidigungsminister und hohe Beamte zu erzwingen, die er der Korruption beschuldigte. Beide Meutereien scheiterten; aber Vargas Pazzos war später freigesprochen worden – die Substanz seiner Vorwürfe leuchtete seinen Richtern offenbar ein. Präsident Febres Cordero hatte sich gleichwohl geweigert, den Generalleutnant auf freien Fuß zu setzen – bis zum vergangenen Freitag.

Seitdem herrscht gespanntes Schweigen in Quito. Die Oppositionsparteien sind empört über das Verhalten des Präsidenten, der mit dem Versuch rechnen muß, ihn abzusetzen. Die Militärführung äußerte sich nicht, auch nicht über disziplinarische Maßnahmen gegen die Meuterer. Die Schwächung des recht selbstherrlich regierenden Febres Cordero kommt vielen gelegen.

In den knapp zwei Jahren seiner Regierungszeit konnte der Präsident wirtschaftliche Erfolge erzielen. Der Verfall des Ölpreises läßt nun aber keinen Spielraum mehr für soziale Maßnahmen, wie sie Febres Cordero versprochen hatte. Und gegen die Korruption ist die Regierung in Quito bisher nur halbherzig vorgegangen – Vargas Pazzos hatte den Finger auf eine Wunde gelegt. Und Namen genannt, die dem regierenden Establishment nahestehen. -bi