Was Herbert Gienow, der Vorstandsvorsitzende der Duisburger Klöckner-Werke AG, dem bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß versicherte, ist im Wirtschaftsleben alles andere als überraschend. Klöckner habe „uneingeschränktes unternehmerisches Interesse“ an der Maxhütte, einem Stahlwerk in Bayern, das Klöckner erst vor zehn Jahren von Friedrich Flick erwarb und an dem der Duisburger Maschinen- und Stahlkonzern heute gemeinsam mit der australischen Rohstoffgruppe CRA die Kapitalmehrheit hält. Auch die Bereitschaft von Strauß, dem nun von der Pleite bedrohten Stahlunternehmen im Oberpfälzer Zonenrandgebiet nicht betriebsnotwendige Grundstücke abzukaufen, ist nicht ungewöhnlich. Es sieht nach einem eleganten Weg aus, mit dem eine Landesregierung einem in Not geratenen Unternehmen einmal unter die Arme greifen kann.

Was sich aber ausgerechnet wenige Tage vor der Bundestagswahl in einem Gespräch zwischen Gienow und Strauß in München abspielte, das ist dennoch geradezu ein Prachtbeispiel dafür, wie Manager mit Politikern umgehen, wenn sie Subventionen lockermachen wollen. Denn die Klöckner-Werke machen schon seit Jahren mehr als deutlich, daß sie an eine gewinnbringende Zukunft des Stahlwerks in Sulzbach-Rosenberg nicht glauben, so daß unternehmerische Entscheidungen des Managements allein der Hütte kaum mehr nützen. Sonst hätte der Maxhütten-Aufsichtsratschef Gienow, der bei Klöckner längst bewiesen hat, was er kann, technisch-organisatorische Mängel und von dem Unternehmensberater Roland Berger festgestellte Ineffizienzen im Management zügiger ausgemerzt.

Auch Bayerns Landesregierung ahnt, daß die im Verhältnis zur Konkurrenz kleine Maxhütte auf die Dauer nicht zu halten sein wird. Sie traut sich aber nicht, öffentlich zu bekennen, daß die noch verbliebenen etwas über 4000 Beschäftigten der Hütte in der ohnehin von extremer Arbeitslosigkeit gebeutelten Oberpfalz eine höchst unsichere Zukunft haben – schon gar nicht vor der Wahl.

So ist erklärbar, warum Gienow ausgerechnet vergangene Woche so dramatisch und erfolgreich klarmachte, die Maxhütte stehe schon bald vor der Zahlungsunfähigkeit, Klöckner könne nicht helfen und nur ein Verkauf von 700 Grundstücken an den Freistaat Bayern den Konkurs noch abwenden. Strauß ging vor dem stets geschliffen auftretenden Gienow in die Knie und setzte ein parlamentarisches Hauruckverfahren in Gang, durch das die Maxhütte 52 Millionen Mark aus Steuergeldern für Immobilien bekommt, die laut Bilanz gerade ein Drittel dieses Preises wert sind.

„Ist das nun das Ende der Erpressung?“ fragt sorgenvoll ein Mitglied der bayerischen Landesregierung angesichts des nun schon seit dem Anfang der achtziger Jahre andauernden Gerangels zwischen Klöckner und der Bayerischen Staatskanzlei um die Zukunft der 135 Jahre alten Traditionshütte, die in ihren besten Tagen einmal 10 000 Beschäftigte hatte. Denn kaum ein Stahlmanager hat soviel Phantasie und Geschick bewiesen, bei den Regierungen von Bund und Ländern Steuergelder für seine Firmen lockerzumachen, wie der promovierte Jurist und Wirtschaftsprüfer Gienow.

Andererseits hat sich Klöckner von der Maxhütte juristisch so weit abgekoppelt, daß der Duisburger Führungskonzern für die Verluste in Sulzbach-Rosenberg nicht aufkommen muß. Die Bayern jedenfalls fühlen sich durch Gienow immer wieder unter Druck gesetzt und „vorgeführt“, wie es der Wirtschaftsstaatssekretär Georg von Waldenfels nennt. Die Münchner Landespolitiker glaubten dem einfallsreichen Gienow immer wieder gerne, daß die nächste Zahlung auch die letzte sei. Auf diese Weise hat die Maxhütte allein in den achtziger Jahren rund 180 Millionen Mark von Bonn und München kassiert – ohne erkennbaren Erfolg für die Sicherheit der Arbeitsplätze.

Ende 1985 beschloß Klöckner sogar, den besten Teil der Maxhütte, das Kaltwalzwerk von Haidhof, stillzulegen Gienow schanzte die Produktionsmengen dieses Werkes der ebenfalls um Auslastung ringenden Klöckner-Hütte in Bremen zu und landete einen weiteren Subventionscoup: Den für die Haidhof-Stillegung nötigen Sozialplan ließ sich Gienow von der Hansestadt mitfinanzieren.