"Peggy Sue hat geheiratet" von Francis Coppola

In den fünfziger Jahren war die ganze Welt infantil, ohne sich ein Gewissen draus zu machen. Heute muß man schon Präsident oder Filmregisseur sein, um sich diese Unschuld noch leisten zu können. Irgendwann – als Elvis zur Army mußte, am Tag, als Marilyn Monroe starb, oder mit den Schüssen von Dallas – war der Traum von der ewigen Kindheit Amerikas ausgeträumt. Plötzlich hieß es erwachsen werden, nichts konnte mehr sein wie zuvor. Dennoch versucht das Kino, wer sonst, immer wieder eine Rekonstruktion dieser Kinderjahre. Nachdem Robert Zemeckis letztes Jahr in "Zurück in die Zukunft" die Parole ausgegeben hatte, die Kinder hätten die Eltern zu erlösen, bekommen jetzt die Eltern ihre zweite Chance.

Denn nicht nur Shirley MacLaine erzählt von Seelenwanderungen, auch Peggy Sue (Kathleen Turner) hat was erlebt. Als sie (43, 2 Kd., so gut wie gesch.) auf dem Klassentreffen 25 Jahre nach dem Schulabgang in Ohnmacht fällt, findet sie sich als achtzehnjähriger Teenie wieder. Allerdings ist Peggy jetzt sehr viel klüger als 1960, weiß über die Moden und Errungenschaften der nächsten Jahrzehnte Bescheid und ist, natürlich, Feministin. Ihr Highschool-Sweetheart Charlie (Nicolas Cage) ist vor den Kopf geschlagen, als sie ihn ernsthaft bedrängt. Doch Peggy will mehr vom Leben gehabt haben als die Aussicht auf die scheiternde Ehe mit einem lebensuntüchtigen Spinner. Mehr als eine Liebesnacht mit der Kerouac-Kopie Michael Fitzsimmons (Kevin J. O’Connor) erlaubt die nachgeholte Emanzipation dennoch nicht. Wegen ihrer Kinder entscheidet sich Peggy wieder für den unzuverlässigen Charlie. Das ganze Spiel mit der Biographie war nichts weiter als kontrollierte Regression.

Francis Coppola wurde als Notlösung für dieses Traumstück verpflichtet. Dabei hätte man sich vorstellen können, daß "Peggy Sue" für den überarbeiteten Mann, einer der letzten Irren in Hollywood, eine Konsolidierung bringen würde. Doch dieser Versuch im biederen Kunsthandwerk inklusive Gründein nach tieferem Sinn ist ebenso gescheitert wie alle Coppola-Filme seit "Apocalypse Now". Wenn "Zurück in die Zukunft" wieder einmal nachgewiesen hat, daß die Kiddies doch die Schlaueren sind, kriegt man in "Peggy Sue" bestätigt, daß die Alten schrecklich kindisch werden können. Look out, sagte der Sozialisationsforscher Dr. Buddy Holly. Willi Winkler