In den Vereinigten Staaten klettern die Aktienkurse von Rekord zu Rekord

Hierzulande haben die Börsianer schon längere Zeit keine rechte Freude mehr an ihren Aktien, aber an der Wall Street vergeht seit Jahresanfang kaum ein Tag, an dem nicht ein neuer Kursrekord gemeldet wird. Als der gute alte Dow-Jones-Index Anfang Januar erstmals in seiner hundertjährigen Geschichte die magische Marke von 2000 Punkten übersprang, knallten an der größten Börse der Welt die Sektkorken, und zur Feier der neuen Höchstmarke wurden auf dem Parkett genau 2000 dicke Zigarren herumgereicht.

Inzwischen ist das wohl bekannteste Börsenbarometer sogar auf über 2100 Punkte hochgeklettert und hat damit den Commerzbank-Index um Längen hinter sich gelassen (siehe Grafik). Im April vorigen Jahres war die Relation genau umgekehrt. Damals liebäugelte der Cobank-Index mit 2300 Punkten, und der „Dow“ dümpelte bei 1850. Obwohl ein Vergleich der beiden Indizes hinkt, weil beide Indizes zu unterschiedlich berechnet werden, gibt das jeweils erreichte Niveau doch recht gut die augenblickliche Verfassung an beiden Börsen wieder.

Daß der Jahresauftakt am heimischen Aktienmarkt völlig verunglückt ist, kann eigentlich nicht verwundern, wird die Börse doch von den Ereignissen an der Devisenfront stark in die Zange genommen. Da ist zunächst einmal der anhaltende Kursrutsch des Dollars, der der deutschen Industrie schwer zu schaffen macht. Im Februar 1985 kostete der greenback noch 3,47 Mark, heute liegt er nur noch um zehn Pfennig über seinem historischen Tief von 1,7062 Mark vom 3. Januar 1980.

Den Amerikanern paßt die Dollar-Schwäche ausgezeichnet ins Konzept. Schließlich weist ihre Handelsbilanz für das vergangene Jahr den Rekordfehlbetrag von rund 175 Milliarden Dollar aus. Da ein niedriger Dollar die Importe verteuert und gleichzeitig die Ausfuhren ankurbelt, kann der Regierung die eigene Währung nicht tief genug fallen.

Doch nicht nur vom fußkranken Dollar, sondern auch von der europäischen Währungsseite kommen derzeit Belastungen auf die deutsche Börse zu. So wird die jüngste Aufwertung der Mark innerhalb des Europäischen Währungssystems (EWS) vielfach als nicht ausreichend erachtet, um die Spannungen in diesem Währungsverbund auf längere Sicht beizulegen. Die meisten Experten rechnen schon bald mit einer neuen Aufwertung der deutschen Währung, wodurch die Ausfuhrchancen noch weiter beschnitten würden.

Die deutsche Konjunktur ist keineswegs so robust, daß sie eine schwere Bürde nach der anderen verkraften kann. Durch die raschen Wechselkursänderungen müssen einige Branchen wohl erhebliche Abstriche an ihren Gewinnerwartungen machen. Hierzu zählen vor allem die Bereiche Automobil- und Maschinenbau. Aktien wie Daimler, VW, Linde oder KHD wurden bereits Opfer der verdüsterten Ertragsaussichten, und die Kurse ihrer Aktien legten an der Börse den Rückwärtsgang ein.