DIE ZEIT

Qualvoll

Zum zweiten Mal hat der Berliner Kunstherz-Experimentator Bücherl einen Patienten zu Tode gerettet, nachdem er vergeblich versucht hatte, die verengten Herzkranzgefäße einer Hausfrau zu überbrücken.

Wenig Freiheit

Von Büchern heißt es, sie hätten ihre Schicksale. Auf Zeitungen trifft dieses Wort auch zu; La Prensa, das Blatt der antisandinistischen Opposition in Nicaragua, ist eines der Beispiele.

Verzweifelt

Binnen Stunden könnte sich das auf die Bundestagswahl fixierte Szenario der Republik dramatisch wandeln. Während der Kanzler und der Oppositionsführer im Lande noch um letzte Stimmen warben, standen sie schon auf Abruf in den großen Bonner Krisenstab.

Mit Bauchgrimmen und Zähneknirschen

Ein Machtwechsel stand ohnehin nie zu erwarten. Westdeutsche Politik vollzieht sich in langen Zyklen, nicht in kurzen Wellen: Siebzehneinhalb Jahre regierte die Union in Bonn, dann kamen nach dem Zwischenspiel der Großen Koalition dreizehneinhalb Jahre sozialdemokratischer Kanzlerschaft.

Grollen in Peking

In dürren Worten verkündete der Nachrichtensprecher am Freitagabend voriger Woche, was ausländische Beobachter schon einige Tage lang erwartet hatten: Hu Yaobang, der Generalsekretär der Kommunistischen Partei, schied aus dem Amt.

Worte der Woche

„Sonst unterschätzt man erheblich die alte Tante SPD, wenn man glaubt, sie würde mit dem, was da jetzt ansteht, nicht auf eine vernünftige Weise fertig, und zwar so, daß sie damit zusätzliches Vertrauen verdient und nicht vorhandenes Vertrauen einbüßt.

Zeitspiegel

Selbst in den sowjetischen Zeitungen, die den Kurs Michail Gorbatschows und seine Politik einer erweiterten Öffentlichkeit (glasnost) generell unterstützen, gibt es Querschüsse gegen die Reformen.

U-Boot-Untersuchungsausschuß: Schnell in den Papierkorb

Vier Tage vor der Bundestagswahl sitzt Ministerialdirektor Horst Teltschik, der für auswärtige Poetik und äußere Sicherheit zuständige Abteilungsleiter im Bundeskanzleramt, vor dem U-Boot-Untersuchungsausschuß des Deutschen Bundestages.

Panzer für Arabien?

Es wimmelt von Unwahrheiten im Wahlkampf. Von der simplen Flunkerei bis zur Niedertracht der falschen Behauptung: Den Kombattanten ist die Wahrheit derzeit nicht heilig.

Wolfgang Ebert: Ein unsicherer Kantonist

„Setz dich, Bernie!“ wurde der Beschuldigte mit dem Armer-Sünder-Blick angewiesen. Holger, der als Richter fungierte, erläutert ihm: „Wir, deine Freunde, werfen dir Parteiverrat vor.

Iranische Offensive: Kampf um Basra

Die Informationslage in der Schlacht am Schatt al Arab ist verworren und widersprüchlich. Beide Seiten veröffentlichen „Krematorium-Kommuniques“ über vernichtende Verluste des Gegners.

Schweden: Fiasko bei der Mörderjagd

Die Beweislage hat sich gegenüber früher nicht geändert“, sagte Oberstaatsanwalt Claes Zeime, und ein deprimierenderes Urteil hätte er gar nicht fällen können.

Ein Brite für Hongkong

Es ist der letzte große Posten, den das britische Empire – vielleicht zum letzten Mal – zu vergeben hatte: das Amt des Gouverneurs von Hongkong, des fast absoluten Herrschers über sechs Millionen Menschen, 230 Inseln und tausend Quadratkilometer an der Südspitze des Riesenreiches China.

Ecuador: Der General gegen den Präsidenten

Präsident León Febres Cordero, 54jähriger christlich-sozialer Chef einer Minderheitsregierung, war am Freitag vergangener Woche auf den Luftwaffenstützpunkt Taura, nicht weit von der Hafenstadt Guayaquil, geflogen.

Spanien: Erfolgreicher Schlag gegen Terror-Kommandos

In Madrid und San Sebastian wurden insgesamt neun Terroristen verhaftet und umfangreiche Waffenlager beschlagnahmt. Mit kaum verhohlener Genugtuung präsentierte der spanische Innenminister Barrionuevo Einzelheiten der Anti-Terror-Aktion, die möglicherweise die komplizierte, aber effiziente Infrastruktur des langgesuchten Eta-Kommandos „Madrid“ nachhaltig zerstörte.

Berlin: Urteil im Skandal

Der ehemalige Baustadtrat von Berlin-Wilmersdorf, Jörg Herrmann, ist jetzt nach dreißig Verhandlungstagen wegen Bestechlichkeit und Vorteilsannahme zu zwei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden.

BONNER BÜHNE: Smog und Schnee vor der Wahl

Kälte, immer "klirrend", und Schnee, immer "Gestöber", beherrschen meteorologisch und metaphorisch den Wahlkampf. Jetzt kommt auch noch die dicke Luft dazu, der Smog.

Arm in diesem Deutschland

Es war die beste Zeit, es war die schlechteste Zeit. Es war das Zeitalter der Weisheit, es war das Zeitalter der Torheit; es war die Epoche des Glaubens, es war die Epoche des Unglaubens; es waren die Tage des Lichts, es waren die Tage der Finsternis; es war der Lenz der Hoffnung, es war der Winter der Verzweiflung.

Karriere: Tapferkeit vor dem Freunde

Die schlabbernde graue Hose und das weite Sakko mit großem schwarzgrauen Karomuster nach Art eines Hausrocks, dazu der schlurfende Gang und die bedächtig gedämpfte Stimme geben dem 37jährigen Mann mit Schnurrbart und altväterlichem Mittelscheitel das Auftreten eines Lateinprofessors der Jahrhundertwende.

Bluter: Bekannt wie ein bunter Hund

Helmut allein auf dem menschenleeren Schulhof; Helmut mit Bluterpaß um den Hals; Helmut mit seinen beiden Geschwistern im Arm; Helmut mit Mutter und Blumenstrauß; Helmut mit Nikolaus auf dem Weihnachtsmarkt.

Die Bildung des Bürgers

Verschmelzung von „Bildung“ und „Bürgertum“ führten zur Emanzipation der bürgerlichen Gesellschaft / Von Utz Haltern

Bilanz ohne Glanz

Nirgends blüht unsere Wirtschaft prächtiger als in den Reden der Bundesminister, nirgends ist der Aufschwung kräftiger als in den Köpfen der Bonner Koalitionspolitiker.

Strompreise: Auf Vorrat

Jahr für Jahr mußten die Kunden des Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerks (RWE) tiefer in die Tasche greifen. Unter Hinweis auf höhere Kosten – verursacht vor allem durch Umweltschutzaufwendungen für Kohlekraftwerke – erhöhte Deutschlands größter Stromversorger ständig die Tarife.

Management: Ora et labora

Schwer vorzustellen, daß der Vorstandsvorsitzende der Bayer AG seine Fahrt zum Frankfurter Flughafen kurz für einen Kirchenbesuch unterbricht, um der Jungfrau ein Paket Kerzen zu weihen, ehe er gen Wall Street jettet, um den Konzernverbund mal eben um die Nummer vier von Amerikas größten Chemiefabriken zu erweitern.

Bonner Kulisse

Der FDP-Vorsitzende und Bonner Wirtschaftsminister Martin Bangemann scheint sich nicht einmal mehr der eigenen Mannschaft sicher zu sein.

Arbeitsschutz: Späte Unruhe

Sie waren beunruhigt, aber nicht hysterisch: Schon vor zwei Jahren glaubten 59 Prozent der Kalifornien daß ihre High-Tech-Industrie der Umwelt gefährlich werden könnte, weil sie mit hochgiftigen Substanzen arbeitet.

Marktwirtschaft: Ohne Hintergedanken

Missionare wollen sie nicht sein, sie predigen auch nicht den Himmel auf Erden. Doch allesamt werben sie für die nach ihrer Überzeugung beste aller Ordnungen: die Marktwirtschaft.

Puma: Von der Konkurrenz gejagt

Wir haben es halt verschlafen“, gibt Armin Dassler unumwunden zu. Der Chef und Hauptaktionär der Puma AG Rudolf Dassler Sport im mittelfränkischen Herzogenaurach hat ein großes Problem: Weil der Markttrend in den USA falsch eingeschätzt wurde, sind für die beiden Jahre 1986 und 1987 Verluste von voraussichtlich 27 Millionen Dollar unausweichlich.

Parteiprogramme: Subventionen für Radler

Ihre politischen Gegner, die sogenannten Bonner Altparteien, sagen ihnen alles mögliche nach – und das klingt wie der Chor einer ganz großen Koalition: Mal werden sie als Begründer des programmierten Chaos beschimpft, mal als Utopisten verlacht, die von der Idylle im grünen Wunderland träumen.

Beschäftigung: Brücke ins Ungewisse

Norbert Blüm geht durch eine Fabrikhalle. Durch seine Opa-Nickelbrille blickt er dem Fernsehzuschauer fest ins Auge. „Wir schaffen Arbeit“, sagt er, und: „600 000 Arbeitsplätze mehr“.

Markt-Report: Unsichere Aktionäre

Die Aufwertung der Mark im Europäischen Währungssystem (EWS) Anfang der vergangenen Woche hat die befürchteten Kurseinbußen am deutschen Aktienmarkt Wahrheit werden lassen.

Zeit-Börse: Gipfeltreffen in Wall Street

Hierzulande haben die Börsianer schon längere Zeit keine rechte Freude mehr an ihren Aktien, aber an der Wall Street vergeht seit Jahresanfang kaum ein Tag, an dem nicht ein neuer Kursrekord gemeldet wird.

MANAGER UND MÄRKTE

Der gescheiterte Sanierer des Wohnungsbaukonzerns Neue Heimat, Horst Schiesser, braucht offensichtlich Geld. Weil er bis heute noch keinen Pfennig des Kredits von 25 Millionen Mark gesehen hat, den ihm die Frankfurter Gewerkschaftsholding BGAG vermitteln wollte, nachdem er sein sechswöchiges Gastspiel als Großunternehmer beendet hatte, reichte er am vergangenen Dienstag beim Landgericht Hamburg Klage ein.

Wahlkampfgetöse

Posser: Das ist schlicht falsch. Ich bestreite gar nicht, daß die Finanzsituation des Landes sehr schwierig ist. Schließlich sind wir mit den Problembranchen Kohle, Stahl und Textil belastet.

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