Spätestens zum Ende des Jahrzehnts werden Vielflieger ihren Aufenthalt an Bord produktiver gestalten können. Satellitentelephon wird weltweite Kommunikation von oben möglich machen.

Bereits 1988 sollen die ersten Fernsprechapparate in den vier DC-10-Großraumjets der Finnair installiert werden. Ein entsprechender Vertrag wurde unlängst zwischen dem finnischen Carrier und der amerikanischen Firma Aeronautical Radio Inc. in Helsinki unterzeichnet.

Laufen alle Vorbereitungen nach Plan, dann werden für Finnair-Kunden künftig auf den Routen nach Nordamerika und Fernost je Flugzeug zwei bis vier Fernsprecher zur Verfügung stehen. Der drahtlose Hörer läßt sich zum Platz mitnehmen und erlaubt Geschäftsleuten fernmündliches Konferieren vom Flugzeugsessel aus. Besonderer Service: Wer auch über den Wolken die Empfehlung „Ruf doch mal an“ beherzigt, zahlt bargeldlos. Das Satellitentelephon akzeptiert Kreditkarten, die mühsame Suche nach geeigneten Münzen bleibt dem Passagier mithin erspart.

Grundlage der Rechnung, die dem Fluggast später präsentiert wird, ist die internationale Fernsprechgebührenordnung, die auch für Telephonkunden am Boden gilt. Einziger Nachteil des Systems ist die absolute Funkstille jenseits des 80. Breitengrades. In der Polregion bleiben Passagiere auch weiterhin von der Außenwelt abgeschnitten.

Wie die finnische Konkurrenz plant auch die Deutsche Lufthansa die Einführung des Satellitentelephons an Bord ihrer Großraumflugzeuge. Mit der Inbetriebnahme des Boeing-Jumbos 747-400 im Jahre 1989 sollen auch Kranich-Kunden die Wählmöglichkeit in der Luft erhalten. Zwischenzeitlich empfiehlt Lufthanseat Dietrich Seidl bei plötzlich auftretendem Kommunikationswunsch den Gang ins Cockpit. Vorausgesetzt es handelt sich um einen Langstreckenflug, um einen First-Class-Passagier und um einen dringenden Fall, läßt es der Kapitän über die herkömmliche Kurzwelle läuten und stellt den Kontakt zu Familie oder Firma her.

Auch in Amerika steht das Satellitentelephon vor seiner Premiere. Schon seit 1974 experimentieren Fluggesellschaften mit Fernsprechgeräten an Bord von Jets. Zuletzt konnten Passagiere aus der Luft mittels Seitenband-Funksendetechnologie und Relaisstationen, die über ganz Amerika verstreut sind, Kontakt zum regulären Fernsprechnetz bekommen. Doch die fliegenden Telephonkunden legten den Hörer meist sehr unzufrieden wieder aus der Hand. Überseegespräche waren nicht möglich, die Verbindung endete am großen Teich.

hbk