Ein neu entwickeltes Elektroniksystem in einem Luxushotel an der Côte d’Azur soll dem Gast nicht nur mehr Komfort in seinem Zimmer, sondern auch mehr Sicherheit vor Hoteldieben geben. Ein deutscher Industrieller steckt hinter dem Projekt.

Wenn Max Grundig ein Hotel kauft und umbaut, darf man in den Zimmern ordentliche Fernseher und Radios erwarten; man wäre enttäuscht, wenn nicht in den Suiten erstklassige Videorecorder eingebaut wären – auch wenn der eingebaut Tycoon die Unternehmen, die seinen Namen in alle Welt getragen haben, inzwischen längst verkauft hat. Um so mehr Zeit hat Grundig, einer der Gründerväter des Wirtschaftswunders, für die kleine Hotelgruppe, die er sich (ähnlich wie sein Kollege Oetker) nebenher zugelegt hat.

Zu den Grundig-Herbergen zählt unter anderem das „Schloßhotel Fuschl“ bei Salzburg und das einstige „Vista Aero“ unmittelbar bei Monaco, auf französischem Terrain. Fast jeder Monte-Carlo-Besucher kennt das auffällige Haus zumindest aus der Distanz, denn wie ein Adlerhorst ragt es auf seinem künstlichen Felsvorsprung in 333 Metern Höhe über die Côte d’Azur hinaus. Rund 22 Millionen Mark steckt Grundig derzeit in das spektakuläre Anwesen, das zu seiner Neueröffnung im Frühjahr den Namen „Vista Palace Hotel“ tragen wird. Der größte Teil des Geldes geht in den totalen Umbau, in die neue, in den Fels gesprengte Garage und in den Pooltrakt am Abhang, der durch einen gläsernen Außenaufzug mit dem Haupthaus verbunden ist und einen Haupthaus mit Privatpools erhält.

Knapp zehn Prozent der Investitionssumme werden jedoch für ein von der französischen Firma Sonelec eigens entwickeltes Elektroniksystem gebraucht, dessen Leistungsbreite gemeinsam mit dem deutschen Generaldirektor des Hotels, Hartmut C. Wegener, festgelegt wurde. An den Zentralcomputer sind nicht nur der Weinkeller, das Warenmagazin, die Buchhaltung und das Gästeverzeichnis angeschlossen (das haben andere neue Hotels auch), sondern auch alle siebzig Zimmerschlösser. Jeder Gast erhält eine kodierte Karte, die ihm den Zugang öffnet, auch das haben andere Hotels. Neu an dem System ist jedoch, daß jeder Hotelmitarbeiter eine spezielle Identitätskarte bekommt, die ihm den jeweils benötigten Zutritt erlaubt, andere Räume aber verschließt. Die Zimmermädchen haben beispielsweise nur Zugang zu „ihren“ Räumen und nur zu einer bestimmten Zeit. Handwerker erhalten ähnlich spezielle Karten für jeweils einen Raum und eine Zeitspanne.

Unbefugte, die versuchen, in die Gästezimmer einzudringen, lösen an der Rezeption Alarm aus. Darüber hinaus kann sich die Hotelleitung für jede Zeitspanne einzelne Listen ausdrucken lassen, die zeigen, wer zu welchem Zeitpunkt das Zimmer betreten hat – Listen, die beispielsweise nach Diebstählen wichtig werden können. Überdies hat jeder Raum einen eigenen Safe, den der Gast jeweils mit seiner Kreditkarte (Diners, American Express, Eurocard und so weiter) programmiert. Nur mit dieser Karte ist das Stahlfach wieder zu öffnen, für Notfälle haben der Hoteldirektor und ein Notar aus der Nachbarschaft Passepartouts, mit denen sie gemeinschaftlich den Safe aufschließen können. Axel Thomas