Der gescheiterte Sanierer des Wohnungsbaukonzerns Neue Heimat, Horst Schiesser, braucht offensichtlich Geld. Weil er bis heute noch keinen Pfennig des Kredits von 25 Millionen Mark gesehen hat, den ihm die Frankfurter Gewerkschaftsholding BGAG vermitteln wollte, nachdem er sein sechswöchiges Gastspiel als Großunternehmer beendet hatte, reichte er am vergangenen Dienstag beim Landgericht Hamburg Klage ein. Die BGAG, meint Schiesser, sei vertragsbrüchig geworden.

Die Frankfurter Gewerkschaftsmanager sehen den Fall allerdings anders. Sie behaupten, sie hätten dem Berliner nur helfen wollen, falls er bei den Banken Schwierigkeiten bekomme, weil sein Ruf nach dem Abenteuer mit der Neuen Heimat angeschlagen sei. Voraussetzung für die Auszahlung sei allerdings, daß Schiesser bankübliche Sicherheiten für mindestens dreizehn Millionen Mark vorlege. Die aber habe er bis heute nicht beigebracht.

Schiesser dagegen behauptet, die Gewerkschaftsmanager hätten bereits versucht, sich „durch Zahlung eines Handgeldes in Höhe von fünf Millionen Mark“ an seine Gesellschaft DNG von der Verpflichtung zu befreien. Da wird wohl noch um ein paar Millionen mehr gepokert.

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Die Mannesmann AG sucht ihr Glück weiter im Süden der Republik. Nachdem der Versuch, die Mehrheit bei Dornier zu kaufen, unter anderem an der Intervention des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Lothar Späth zugunsten der Daimler-Benz AG scheiterte, will sie sich nun an der Fichtel & Sachs AG in Schweinfurt beteiligen. Verhandlungen mit den Erbinnen des Gründersohnes Ernst Wilhelm Sachs stehen unmittelbar vor dem Abschluß. Diese halten 37,5 Prozent des Kapitals der Sachs AG, der Obergesellschaft von Fichtel & Sachs.

An die Aktien der drei Sachs-Töchter kann Mannesmann allerdings nicht direkt heran, weil denen testamentarisch ein Veräußerungsverbot bis November 1988 auferlegt ist. Deshalb will sich Mannesmann an der MEC-Sachs-Holding beteiligen, in der die Vermögenswerte der jungen Damen zusammengefaßt sind.

Über den Kaufpreis schweigt sich die Düsseldorfer Konzernzentrale zwar aus, verweist aber auf nicht dementierte Presseberichte, nach denen die Commerzbank für die im vergangenen Jahr von Gunther Sachs erworbenen zehn Prozent des Grundkapitals 85 Millionen Mark bezahlt haben soll. Analog müßte Mannesmann dann etwa 320 Millionen Mark berappen.