Über zwanzig Städte und Regionen aus sechs Ländern des Ostseeraums haben sich zur Baltic Tourism Commission (BTC) zusammengeschlossen und nun einen gemeinsamen Prospekt herausgegeben.

Die Idee hatten die Ostsee-Handelskammern. Sie wollten grenzüberschreitend den Reiseverkehr in die Ostseeregion intensivieren, in die Bundesrepublik Deutschland und nach Dänemark, nach Schweden und Finnland, nach Polen und in die Sowjetunion. In einer Sitzung in Karlskrona 1981 gaben sie die Idee an die jeweiligen nationalen Tourismusorganisationen weiter. Die wiederum beschlossen, die Ostsee-Städte sollten sich darum mühen, Touristen in die Region zu lotsen.

Was als „absolutes Novum“, so der Pressetext, jetzt vorliegt und 100 000 Mark gekostet hat, ist ein Prospekt mit dem schlichten Titel „Ostsee“; Er wird in 100 000facher Auflage kostenlos verteilt. Busreiseveranstalter zum Beispiel sollen ihn als Anregung bekommen, die Ostseeregion in ihre Programme aufzunehmen, auf Touristikmessen werden die Broschüren ausgelegt, auch die Verkehrsämter der beteiligten Länder halten sie parat.

Sinn des Prospektes, so liest man auf der ersten Seite: „Die Ostseeländer und ihre Städte möchten Sie gern als Gast begrüßen. Sie bieten ein neues Reiseziel an: ganz einfach sich selbst, aber diesmal gebündelt.“ Wobei das absolute Novum die gemeinsame Anstrengung ist, bei der auch Polen und die Sowjetunion mit von der Partie sind. Die DDR dagegen möchte sich aufgrund der touristischen Situation an ihrem Teil der Küste noch nicht beteiligen.

Was dann kommt, ist allerdings eher bescheiden. Kurz werden die betreffenden Länder porträtiert – wobei zum Beispiel die Erwähnungvon Schwabing im Deutschlandtext nicht unbedingt die Ostsee attraktiver macht. Dann werden die Städte vorgestellt, die sich zur BTC vereinigt haben: Lübeck und Kiel sind dabei, Kopenhagen und Faaborg, Karlskrona, dann Trelleborg, Helsinki und Lappeenranta etwa, Leningrad; Riga und das polnische Städtedreieck Gdansk, Sopot, Gdynia. Dazu sind jede Menge Auskunftsadressen angegeben.

Aber wäre es nicht nützlicher gewesen, ein, handfestes Serviceheft daraus zu machen, mit Routenvorschlägen, Hinweisen auf Währungen, Hotelpreise, Fährverbindungen (die jetzt nur in den Anzeigen auftauchen) oder Grenzübergänge? Die Broschüre ist eine Selbstdarstellung der Städte. Jede vor allem grenzüberschreitende Information sowie konkrete Tips, wie man beispielsweise eine Rundreise planen könnte, fehlt indes. Da wird auf die Touristikzentralen verwiesen. Was auch fehlt, trotz all der vielen Anschriften, ist eine gemeinsame Auskunftsadresse.

Was es statt dessen gibt, ist die Kritik aus eigener Reihe. Hanns P. Nerger, Direktor des Amts für Lübeck-Werbung und Tourismus und einer der Mitverantwortlichen, bemängelt eine fehlende, mittelfristige Planung und vermißt eine Marketingstrategie, schlicht ein Konzept, wie man die Ostsee gemeinsam vermarkten will samt abgesicherter Finanzierung. Aus Geldgründen beteiligt sich Flensburg schon nicht mehr an der Arbeitsgemeinschaft. Bei einer geplanten englischsprachigen Broschüre will auch Lübeck nicht mitmachen. put