Es wimmelt von Unwahrheiten im Wahlkampf. Von der simplen Flunkerei bis zur Niedertracht der falschen Behauptung: Den Kombattanten ist die Wahrheit derzeit nicht heilig. Glücklicherweise waltet bald wieder die Gnade des Vergessens. Wirklich ärgerlich sind dann bloß noch jene Unwahrheiten, die in den Archiven ruhen.

Erst jüngst hantierte Franz Josef Strauß mit einem solchen Rückgriff in die Geschichte, als er Helmut Schmidt vorhielt, er habe einst als Kanzler den Saudis Leo-II-Panzer versprochen. Seit 1980 geistert diese Mär durch Reden und Gazetten. In der Tat hatten die Saudis in Bonn angeklopft, mit einer langen Liste begehrter Waffen in der Hand. Und Schmidt sicherte König und Kronprinz eine sorgfältige Prüfung unter Freunden zu – vielleicht tat er es zu freundlich? –, aber er vermied jede Zusage. Ohne Aussicht auf politischen Rückhalt mußte Schmidt im April 1981 die saudischen Erwartungen auf nahezu Null zurückschrauben, den Leo II völlig streichen. Das Ende dieser Episode war im Jahre 1982 die im Bundessicherheitsrat beschlossene und dann diplomatisch übermittelte endgültige Absage an die Saudis. Dieser tatsächliche Verlauf der Affäre eignet sich für Strauß allerdings kaum noch als Stütze für seine eigenen Waffenexportpläne.

K. B.