ARD, Sonntag 18. Januar: „Unter deutschen Dächern: Playboy Germany“, ein Film von Axel Engstfeld

Seit fünfzehn Jahren versäume ich, Nummer für Nummer, das Playboy-Magazin. 450 000 deutsche Männer entscheiden sich auch in diesem Monat anders. Das ist eine nackte Tatsache, über die sich besonders Herr Baumgärtel freut. Er ist der Chefredakteur.

Aber während das Magazin sich gerne international gibt, wirkt Herr Baumgärtel in Axel Engstfelds Film über den „Playboy Germany“ fast bäuerlich, grob statt elegant. Früher war er bei Bild und Quick und könnte genauso gut Landrat von Erding gewesen sein. Das mag sich auch Axel Engstfeld gedacht haben, als der den Playboy-Macher auf seiner Fahrt in den Münchner Bauer-Verlag begleitete. Der Wagen des Chefs im Straßenverkehr: vor sich Nummernschilder mit „M“, neben ihm ein Lastwagen der Paulaner Brauerei, die mit einer weißblauen Landschaft wirbt. Das also ist die Heimat des Playboy?

Später, wenn der Fahrstuhl in der Chefetage hält, erschlägt uns, gerahmt und hinter Glas, ein Busen, den ein Bikini-Oberteil im Muster der USA-Flagge nur noch mit großer Mühe hält. Hier oben spekuliert man über „tits and asses, asses and tits“: Herr Baumgärtel im Reiche Popo, wo Busen ein Synonym für Lebensfreude ist.

Beim amerikanischen Playboy‚ der gerade eine Baisse erlebt, seien die Posen der Damen wesentlich schärfer. Der amerikanische Hausphotograph schwelgt in Erinnerungen. Auf der aufklappbaren Seite des deutschen Playboy aber triumphiert „the ein nett door“. Vor ihr sollen auch Gehemmte und Verklemmte nicht erschrecken. Eine von Baumgärtels Mitarbeiterinnen wühlt in ihrem Photobordell. Arzthelferinnen, OP-Schwestern, Friseusen und Sekretärinnen füllen es. Gesucht ist der „natürliche, frische Typ“. Die Proportionen sollen stimmen, auf den Busen kommt es an. Vor allem soll das Playboy-Mädchen lächeln können. „Warum?“ fragt Axel Engstfeld.

Engstfelds Playboy ist ein Glanzpunkt der Fernseh-Reportage. Vieles daran erinnert an Alexander Kluges Filme, zum Beispiel Engstfelds sarkastische Art, ganz banale Szenen zu kommentieren. Wir sehen den Chef an seinem Schreibtisch. „Schöpfer haben es schwer“, sagt Engstfeld, „müssen jeden Monat eine neue Welt entstehen lassen – die Playboy-Welt.“

Auch Engstfelds Bilder beherrschen Kluges Sprache. In der letzten Szene des Films zeigt Engstfeld eine Putzfrau im Atelier des Playboy-Photographen. Wo vorher noch nackte Damen auf schwarzen Flügeln posierten, geht sie ungerührt ihrer Arbeit nach. Zuvor spielte Engstfelds Kamera in diesem Studio höhnisch den Voyeur, als suchte sie gerade hier, wo alles gelüftet war, nach einem Geheimnis. Jetzt weicht sie fast respektvoll zurück. Engstfelds Star im Playboy-Imperium ist die Putzfrau. Helmut Schödel