Von Wolfgang Hoffmann

Vier Tage vor der Bundestagswahl sitzt Ministerialdirektor Horst Teltschik, der für auswärtige Poetik und äußere Sicherheit zuständige Abteilungsleiter im Bundeskanzleramt, vor dem U-Boot-Untersuchungsausschuß des Deutschen Bundestages. Was hat er zu sagen? "Der Papierkorb ist ein wichtiges Instrument im Bundeskanzleramt. Das war schon immer so."

Derart flapsig erläuterte einer der ranghöchsten Beamten der Republik, zugleich engster Berater des Bundeskanzlers, seinen ganz "persönlichen Arbeitsstil". Ministerialdirektor Horst Teltschik hatte die Verträge in der Hand, die zwischen der Kieler Howaldtswerft (KHW) und dem Ingenieurkontor Lübeck (IKL) einerseits und der südafrikanischen Firma L + S Maritime Technologies andererseits über die Lieferung von U-Boot-Plänen abgeschlossen wurden. Er schaute sie nicht einmal an. Teltschik übergab sie nach seiner Aussage ungelesen dem Reißwolf. Und das begründete er so: "Bei einer Befassung besteht die Gefahr, in die Mitverantwortung hineingezogen zu werden, Nicht-Befassen schützt."

Die Manager zweier Rüstungsfirmen sondierten gemeinsam mit dem in Bonn wohlbekannten Rüstungslobbyisten Siegfried Zoglmann, ehemaliger Bundestagsabgeordneter der CSU, monatelang bei verschiedenen Ministerien, wie man am besten ein heikles Rüstungsgeschäft mit Südafrika unter Dach und Fach bringt. Aber der im Bundeskanzleramt für auswärtige Beziehungen zuständige Abteilungsleiter schaute sich nicht einmal an, worum es dabei wirklich ging. Er wußte zwar, daß Rüstungsexporte nach Südafrika die auswärtigen Beziehungen der Bundesrepublik erheblich stören konnten, weil eine UN-Sicherheitsresolution sie ausdrücklich verbietet. Dennoch vernichtete er Wissenswertes, um nicht Gefahr zu laufen, "in die Mitverantwortung hineingezogen" zu werden.

Auf solch gering ausgeprägte Verantwortungsbereitschaft scheint auch zurückzuführen zu sein, daß es nur wenige Akten über den Fall gibt, unvollständige zudem und solche, die nicht einmal Aktenzeichen oder Eingangsstempel tragen. Vielleicht liegt das aber auch daran, daß möglichst wenig über das brisante Geschäft bekannt werden sollte. Dies vermutet der SPD-Abgeordnete Norbert Gansel, der sich auch über die vielen Geheimstempel wundert.

Teltschik hatte für die unbürokratische Praxis in seinem Amt eine andere Erklärung: Weil es sich zunächst nur um informelle Sondierungen gehandelt habe, gebe es einfach keine Aktenvorgänge. Und bei seiner Prüfung der Frage, ob das U-Boot-Geschäft genehmigt werden könne, habe es sich nur um die "politische Einschätzung" gehandelt. Auch dafür brauche man weder Vorgänge noch Verträge der Interessenten.

Wer mit sensiblen Rüstungsgeschäften so unsensibel umgeht, muß sich nicht wundern, wenn er von den Interessenten, die im Kanzleramt ein- und ausgingen, später aufs Kreuz gelegt wurde. Unzweifelhaft hat Südafrika deutsche U-Boot-Pläne bekommen – sie wurden auf Mikrofilm abgelichtet – kofferweise im Diplomatengepäck des Ersten Sekretärs der Südafrikanischen Botschaft, Jan Albertus Steenkamp, außer Landes gebracht. Das geschah, obwohl Horst Teltschik und Staatssekretär Waldemar Schreckenberger den Industrievertretern mehrfach bedeutet hatten, das Geschäft habe keine Chance.