Elf Monate nach dem Mord an Olof Palme blamierte sich die Stockholmer Polizei mit einer unbegründeten Erfolgsmeldung. Der Mörder des Ministerpräsidenten bleibt unbekannt.

Die Beweislage hat sich gegenüber früher nicht geändert“, sagte Oberstaatsanwalt Claes Zeime, und ein deprimierenderes Urteil hätte er gar nicht fällen können. Zum ersten Mal seit mehr als acht Monaten hatte Stockholms Polizeichef Hans Holmer, der Fahndungsleiter im Mordfall Palme, wieder zu einer Pressekonferenz geladen. Erstmals hatten sich Rundfunk und Fernsehen wieder live in die Mörderjagd eingeschaltet. Doch dann hatte Holmer der erwartungsvollen Öffentlichkeit nichts anderes mitzuteilen, als daß man die Männer, die man am Morgen desselben Tages zum Verhör geholt hatte, wieder auf freien Fuß setze.

Wieder einmal ist Hans Holmér der Durchbruch nicht gelungen. Wieder einmal ist die Ermittlungsarbeit an einem toten Punkt angelangt. Wenn Holmer beteuert, er sei sich immer noch „zu 95 Prozent sicher“, daß die „Hauptspur“, die er verfolge, die richtige sei, dann glauben ihm nicht einmal mehr die Journalisten des schwedischen Fernsehens, die ihn eben erst seines unverbesserlichen Optimismus wegen zum „Schweden des Jahres“ gewählt haben.

Holmérs sogenannte Hauptspur führt zur militanten kurdischen PKK-Partei, einer vorgeblich marxistisch-leninistischen Exilgruppe, die bei ihrem Kampf gegen die Türkei, gegen den Irak und für ein freies Kurdistan auch Waffengewalt gegen ihre eigenen abtrünnigen Mitglieder und gegen Exil-Kurden anderer politischer Couleur nicht scheut. Auch in Schweden werden der PKK zwei Rachemorde angelastet. Doch jeder Versuch, eine Verbindung zwischen der Organisation und dem Mord an Olof Palme zu knüpfen, ist bislang gescheitert.

So war es auch im Dezember, als die schwedische Polizei nach einer Wirtshausschlägerei fünf Kurden festnahm. Holmer und sein Fahndungstrupp schalteten sich in die Ermittlungen ein und nutzten die Gelegenheit zu einer Razzia im Stockholmer Hauptquartier der PKK. Doch von einem Ergebnis der Polizeiaktion ist bis heute nichts bekannt, und die Festgenommenen waren bald wieder auf freiem Fuß. Freigelassen sind jetzt auch die vier, die die Polizei in dieser Woche verdächtigte, die Waffe für Palmes Mörder beschafft zu haben. Oberstaatsanwalt Zeime, der als für den Fall zuständiger Ankläger auch all jene Unterlagen kennt, die der Öffentlichkeit vorenthalten bleiben, macht keinen Hehl daraus, daß er nicht an Hans Holmers „Hauptspur“ glaubt. Es gebe andere Spuren, die genausoviel Aufmerksamkeit verdienten, sagt Zeime.

Schon im Dezember hatten zwölf Mitglieder der Fahndungskommission, die im Zorn um ihre Versetzung baten, unverblümt zu verstehen gegeben, die Ermittlungsarbeit sei hoffnungslos festgefahren, und es sei nötig, nochmals ganz von vorne zu beginnen. Dies dürfte dann allerdings nicht mehr unter Hans Holmers Leitung geschehen, wenn die Schweden nicht riskieren wollen, bei der Fahndung nach dem Mörder ihres Ministerpräsidenten den gleichen zweifelhaften Ruf zu bekommen wie bei der U-Boot-Jagd.

Johannes Gamillscheg

(Kopenhagen)