Gewiß hat Bayern seinen Bierkönig so wie Pennsylvanien einen Stahlkönig hat, doch ein Rosenkönig ist Legende. Er hat kein Reich außer im Land der Träume. Der Rosenkönig ist eine Kunstfigur, die an sich die tödlichen Gefahren der Kunst verkörpert. Sie lebt er, ihnen erliegt er, irdisch, männlich, keinesfalls als Heiliger. Der Schein der Heiligkeit liegt auf Magdalena Montezuma. Sie ist die Mutter des Rosenkönigs, die das Verhängnis in der Schönheit ahnt. Das letzte Mal tritt Montezuma als eine Hohepriesterin auf. Das Unglück lauert in ihren Blicken.

„Der Rosenkönig“ ist ein schlimmer Traum, in dem das Erwachen dem Entsetzen gleicht, so viel scheinheiliger Schönheit, die vorüberrauscht, im Anblick vertraut zu haben. Statt einer Geschichte gibt es Fragmente, statt einer Erzählung ein Kamera-Poem für drei Körper, drei Stimmen.

Einzig die Kinder aus Sintra erinnern daran, daß der Film ein reales Gelände, Landschaften aus Portugal, abbildet. Die Kinder tauchen als Gruppe auf, als Voyeure und Lauscher, die gespannt verfolgen, wie sich auf der Rosenzüchterei die Mutter Anna (Magdalena Montezuma), ihr Sohn Albert (Mostefa Djadjam) und dessen Gehilfe Fernando (Antonio Orlando) in ein tödliches Dreieck verstricken. Die Rose, einst Attribut der Heiligen, scheint in Schroeters Staffellauf von Rosalia von Palermo der Elisabeth von Portugal übergeben.

Der Filmanfang gleicht einer Ouvertüre, die Themen und Motive vorstellt, die als gleichsam musikalische Figuren von der Montage im Verlauf des Films wieder aufgenommen werden. Montezumas Stimme erzählt auf Portugiesisch von der Legende des Rosenkönigs. In zerbrochenen Fensterscheiben wabern Spinnennetze. Montezuma reibt ihr makelloses Gesicht mit Teer ein. Ein Zug pfeift. Der Schäfer steht vorm Tor. Montezuma schreibt in ein Tagebuch ihre Angst vor dem Zusammenbruch der Rosenfarm.

Auf dem Tisch, an dem sie schreibt, an dem das Geschriebene von ihr geraunt und beschworen wird, liegt neben der Rose, dem Rotweinglas ein Okuliermesser. Unter Montezumas Blick, der das Entrückte zoomartig in den Vordergrund schnellen läßt, beleben sich die toten Dinge.

Von einer Freitreppe im Garten steigt ein junger Mann vorbei an Pflanzen ins Haus abwärts. Diese wenigen Schritte sind von der fabelhaft visionären Kamera (Deutscher Kamerapreis 1986 für Elfie Mikesch) so aufgenommen und ausgeleuchtet, daß man den Eindruck gewinnt, mit seinen Schritten stolpere der junge Mann aus dem Paradies in eine verkrachte Welt. Das Geheimnis liegt im Raum, der durch das Licht entwirklicht wird.

Es verwundert nicht zu erfahren, daß Werner Schroeter die Filme Tarkowskijs sehr verehrt. Nur putzt er, im Gegensatz zu Tarkowskij, die monochrome Schmuddeligkeit, die abgestumpften Farben im Niemandsland zu einer grell glänzenden Erscheinung auf. Da scheinen die Dinge, im „Rosenkönig“ ins Licht gesetzt, an der Grenze zwischen Schönheit und Schmerz zu liegen. Schroeters Bilder sind ungefällig gegen Nostalgie.