Der spanischen Polizei gelang ein erfolgreicher Schlag gegen die baskische Terrororganisation Eta.

In Madrid und San Sebastian wurden insgesamt neun Terroristen verhaftet und umfangreiche Waffenlager beschlagnahmt. Mit kaum verhohlener Genugtuung präsentierte der spanische Innenminister Barrionuevo Einzelheiten der Anti-Terror-Aktion, die möglicherweise die komplizierte, aber effiziente Infrastruktur des langgesuchten Eta-Kommandos „Madrid“ nachhaltig zerstörte. Diesem Kommando, das offensichtlich mit verschiedenen, streng voneinander getrennten Gruppen operiert, werden zahlreiche tödliche Attentate meist gegen Angehörige des spanischen Militärs zur Last gelegt.

Auf das Konto der ehemals unter dem Decknamen Comando España operierenden Terroristen gingen im vergangenen Jahr drei schwere Attentate in Madrid: der tödliche Anschlag gegen den spanischen Vizeadmiral Colon de Caravajal, der spektakuläre Raketen-Angriff gegen das Madrider Verteidigungsministerium und der Anschlag mit einer Autobombe gegen einen vollbesetzten Polizeibus der paramilitärischen Guardia Civil, der zu elf Todesopfern und zahlreichen Verletzten führte.

Die spanische Öffentlichkeit hatte zunehmend unduldsamer und ungeduldiger reagiert. Auf den oft gehörten Vorwurf mangelnder Effizienz bei der Terrorismus-Abwehr hatte die Regierung González noch im November mit einer Straffung der Zuständigkeiten reagiert, die besonders im Innenministerium, bei der Policía National wie bei der Guardia Civíl‚ zu Personalentscheidungen führte, die weniger vom klassischen Anciennitätsprinzip als von solider Management-Erfahrung gekennzeichnet waren: Zum ersten Mal seit 142 Jahren hatte nicht mehr ein Generalleutnant des Heeres, sondern ein gelernter Volkswirt die Führung der Guardia Civil übernommen.

Die damals als riskant kritisierte Personalentscheidung hat sich nun offensichtlich ausgezahlt. Unter dem neuen Direktor der Guardia Civil, Luis Roldän, ist die Zusammenarbeit zwischen den Abwehrdiensten des Innenministeriums, der nationalen Polizei und der immer noch sehr wichtigen halb-militärischen Einsatztruppe der Guardia offensichtlich besser geworden.

In einem Interview mit der katholischen Tageszeitung Ya stellte Roldan denn auch die geglückte Kooidination zwischen den einzelnen, an der Aufdeckung der Terroristen-Schlupfwinkel beteiligten Geheimdienste als entscheidend für den Abwehr-Erfolg heraus – zugleich ein versteckter Hinweis darauf, woran es in der Vergangenheit gefehlt hat. In das Aufatmen darüber, daß den eigenen Kräften endlich einmal ein Erfolg gegen eine Terrororganisation gelang, die seit Beginn der Demokratie 475 tödliche Anschläge verübt hat, mischt sich auch der Dank an die französische Regierung, die mit der rigorosen Auslieferung mutmaßlicher Eta-Terroristen an die spanischen Behörden eine wirksame Terror-Bekämpfung ermöglicht habe. Bei näheren Hinsehen seien es dann doch diese Politiker, heißt es, denen die Medalla de la gloria angeheftet werden müsse.

Volker Mauersberger (Madrid)