Von Hannes Burger

München

Die schlabbernde graue Hose und das weite Sakko mit großem schwarzgrauen Karomuster nach Art eines Hausrocks, dazu der schlurfende Gang und die bedächtig gedämpfte Stimme geben dem 37jährigen Mann mit Schnurrbart und altväterlichem Mittelscheitel das Auftreten eines Lateinprofessors der Jahrhundertwende. Es scheint, als sei Staatssekretär Peter Gauweiler in seinem ganzen Gehabe und in der milden, besonnenen Art der Gesprächsführung vor allem darauf bedacht, rücksichtslose Durchsetzungskraft und Reaktionsschnelligkeit ebenso zu kaschieren, wie die Tatsache, daß er nach einer schnellen Karriere heute das jüngste Mitglied der Bayerischen Staatsregierung ist.

Das mit dickem Filzstift signierte Bild seines 71jährigen Ministerpräsidenten ist von einem Richtstrahler beleuchtet, im Wechselrahmen neben einem weißen Porzellanlöwen mit weiß-blauem Rautenschild aufgestellt – fast wie auf einem Seitenaltärchen zur permanenten Anbetung. Der große Vorsitzende des jungen politischen Talents der CSU, der zugleich großes Vorbild, nachsichtiger Ziehvater und politische Schutzmantel-Madonna für den „schwarzen Peter“ ist, zog im gleichen Jahr als Nachwuchstalent in den ersten Deutschen Bundestag ein, als in seiner Heimatstadt München am 22. Juni 1949 Peter Gauweiler geboren wurde.

Seine bürgerliche Berufslaufbahn verlief planmäßig und ohne Höhepunkte: humanistisches Gymnasium, juristisches Studium in München und Berlin, Doktor der Rechte und Gründung einer Anwaltskanzlei mit Partner, gewonnene und verlorene Prozesse wie bei anderen Advokaten auch.

Um so ungewöhnlicher aber verlief parallel dazu seine politische Karriere. Franz Josef Strauß wurde erstmals auf den Namen Gauweiler aufmerksam, als dieser 1968 mit 19 Jahren RCDS-Vorsitzender in München wurde. Mit Courage, Witz und Frechheit ging der Studienanfänger sofort auf ebenso spektakulären wie erfolgreichen Gegenkurs zu den dominierenden Linken an der Münchner Universität und drehte zumindest die Vertretung der juristischen Fakultät zu einer rechten Minderheit im AStA um. Seine Neider sagen, er sei nur deshalb ein Rechter geworden, weil man damals bei den 68ern anders gar nicht mehr auf sich aufmerksam machen konnte. Immerhin fiel Peter Gauweiler dem CSU-Vorsitzenden damals auch dadurch auf, daß dieser als RCDS-Vorsitzender den Bayernkurier angriff und Front gegen das erste Hochschulgesetz des damaligen Kultusministers Ludwig Huber machte. Aus einer geplanten Viertelstunden-Audienz der aufmüpfigen rechten Studentenriege wurde eine dreistündige, in kreativem Streit ausgetragene Redaktionssitzung mit Strauß.

Mit 22 Jahren war der forsche, mit kalkuliertem Verbalradikalismus provozierende und keine Profilierungschance auslassende Peter Gauweiler Münchens jüngster Stadtrat. Er verdiente sich unter anderem seine Sporen als Leiter des ersten und erfolgreichen Bürgermeisterwahlkampfs für Erich Kiesl. Die Tatsache jedoch, daß er es als Exponent des rechten Flügels schaffte, mit 33 Jahren bereits das verantwortungsvolle, besonders schwierige und äußerst konfliktträchtige Amt des Münchner Kreisverwaltungsreferenten zu erhalten, hat Gauweiler sicher nicht der Dankbarkeit Erich Kiesls zuzuschreiben. Der bevorzugte nämlich einen angesehenen, aber eher unpolitischen Verwaltungsfachmann aus dem Innenministerium.