Der Börsenstar des vergangenen Jahres hat mit Verlusten zu kämpfen

Wir haben es halt verschlafen“, gibt Armin Dassler unumwunden zu. Der Chef und Hauptaktionär der Puma AG Rudolf Dassler Sport im mittelfränkischen Herzogenaurach hat ein großes Problem: Weil der Markttrend in den USA falsch eingeschätzt wurde, sind für die beiden Jahre 1986 und 1987 Verluste von voraussichtlich 27 Millionen Dollar unausweichlich.

Um Schaden für die deutsche Stammfirma abzuwenden und die Bilanzrelationen intakt zu halten, hat Armin Dassler zusammen mit seinem Bruder Gerd von einer Bank 62 Millionen Mark aufgenommen und der Puma AG zunächst auf ein Jahr als „subordiniertes“ (nachrangiges) Darlehen mit Eigenkapitalcharakter zur Verfügung gestellt. Bisher hält Armin siebzig und Gerd dreißig Prozent der nominal 36 Millionen Mark Stammaktien, während 14 Millionen Mark Vorzugsaktien im Juli 1986 für 310 Mark je Aktie am Markt plaziert worden waren. Zeitweise trieb das Boris-Becker-Fieber – der Tennis-Champion ist der prominenteste Vertragspartner von Puma – den Kurs der Aktie bis auf 1480 Mark hoch.

Obwohl Armin Dassler – bisher Aufsichtsrats- und nunmehr Vorstandsvorsitzender – versichert, daß die Vorzugsaktionäre die angekündigte Dividende von neun Mark je Aktie für 1986 (zeitanteilig für ein halbes Jahr) erhalten werden, verlor der Börsen-Star des vergangenen Jahres seinen Glanz: Der Aktienkurs betrug am vergangenen Montag nur noch 398 Mark. Das Darlehen von 62 Millionen Mark soll voraussichtlich schon im kommenden Sommer in Stammaktien umgewandelt werden. „Wenn es geht“, so Armin Dassler, wollen die Brüder die Mehrheit des Stammkapitals behalten.

Armin und Gerd Dassler sind mittlerweile vom Aufsichtsrat in den Vorstand umgezogen und haben dort den Vorsitz übernommen. Dafür kehrte trouble shooter Vinzenz Grothgar, früher WestLB-Vorstand und seit Jahren Berater der Dasslers, wieder vom Vorstand in den Aufsichtsrat zurück. Er war erst im Oktober ins Management eingetreten, um sich dort um die Sanierung des Amerika-Geschäfts zu kümmern.

Wehmütig erinnert sich Armin Dassler daran, daß „wir 1985 unser bestes Jahr in den USA hatten“. Noch bis Mitte 1986 habe es so ausgesehen, als werde man dort auch weiterhin Erfolg haben. Doch dann kamen der Dollarverfall und ein Markttrend, der gegen Puma lief. Der Umsatz in US-Währung sackte auf hundert Millionen Dollar ab, und die Puma AG mußte im Geschäft mit dem amerikanischen Vertriebspartner gar einen dramatischen Einbruch um 67 Prozent auf 91 Millionen Mark hinnehmen, so daß der Gesamtumsatz der AG trotz Plus-Zahlen im Inland und im übrigen Ausland von 803 auf 703 Millionen Mark schrumpfte. Vom fallenden Dollarkurs abgesehen, der etwa ein Drittel des Rückgangs verursachte, war das Geschäft in den USA „schlicht miserabel“, wie Grothgar einräumt. „Selbstverständlich haben wir Fehler gemacht“, bekennt Armin Dassler. Der Hauptfehler: Man hat den Geschmack der Amerikaner falsch eingeschätzt und auf die teure deutsche „Wertarbeit“ gesetzt. „Wir wurden von Billigprodukten überrannt, die uns in ihrer Qualität schockierten.“

Der Wettbewerber, der Puma jagte und offenbar auch dem Rivalen adidas inzwischen schwer zu schaffen macht, ist die englische Firma Reebok. Nachdem der US-Distributor Peter Fireman das Unternehmen gekauft hatte, kurbelte er die Aktivitäten derart stark an, daß der Reebok-Umsatz in Amerika förmlich explodierte: Von mageren 63 Millionen Dollar 1984 schoß er bis 1986 auf 850 Millionen Dollar hoch. Der bisherige Marktführer bei Sportschuhen, Nike, wurde schon im dritten Quartal 1986 überrundet.