Warum die Grünen eine Nutzung der Gentechnik weitgehend ablehnen

Die Grünen werfen der Mehrheit der Enquete-Kommission vor, sie habe die Gentechnik nicht grundsätzlich in Frage gestellt, sondern deren Entwicklung als wünschenswert betrachtet. „Das Ergebnis ist eine (gen-) technikverhaftete Folgebewertung, die den Vergleich gentechnologischer Ansätze mit anderen Problemlösungsstrategien ausklammert.“ Mit der Gen- und Fortpflanzungstechnik werde die „Manipulierbarkeit des Menschen durch den Menschen erreicht“. Die breite Anwendung gentechnischer Verfahren könne die Grundrechte auf körperliche Unversehrtheit und auf die unantastbare Würde des Menschen in Frage stellen und letztlich aufheben.

Die genetischen Ressourcen der gesamten Erde, von Tieren, Pflanzen und Mikroorganismen seien „Gemeineigentum aller Menschen. Die Grünen lehnen deshalb die Privatisierung dieser Naturschätze durch eventuelle Gewährung von Patentrechten für gentechnisch zugerichtete Organismen und die damit ermöglichte Aneignung von Lebensformen und Erbsubstanz entschieden ab“.

Pflanzen und Tiere

In den Versuchen, mittels Gentechnologie schadstoffabbauende oder insektenvernichtende Bakterien oder Pflanzen zu konstruieren, sehen Die Grünen keine Lösung von Umweltproblemen. Nachdem die Erde mit naturfremden Kunstprodukten bedeckt worden sei, sollten die gemachten Fehler „mit naturfremden, nach der gleichen Logik zugerichteten Organismen repariert werden“. Mit dem Einsatz gentechnischer Verfahren zur weiteren Steigerung der Effizienz und Leistung von Kulturpflanzen und Tieren werde „die wirtschaftlich-strukturelle Krise der Landwirtschaft verschärft und die Vernichtung genetischer Ressourcen“ weitergetrieben.

Tiere und Pflanzen seien keine „Baukastensysteme, in denen Gene nach den Bedürfnissen der Produktion beliebig zusammengesetzt und angeschaltet werden“. Die Antwort auf die „Misere der heutigen Landwirtschaft kann nur eine Reduzierung der Bearbeitungsintensität aller Flächen und die Ausweitung“ umweltgerechter Anbaupraktiken sein. Sie sähen in der Nutzung pflanzlicher Inhaltsstoffe durchaus gute Möglichkeiten, umweltverträgliche Produkte zu ersetzen, der Anbau nachwachsender Rohstoffe sei als Weg aus der Krise allerdings „völlig ungeeignet“, da er nicht der grundlegenden Neuorientierung der Agrarpolitik diene. Statt ihrer Hauptaufgabe, „der sicheren Versorgung der Bevölkerung mit gesunden Lebensmitteln“ zu dienen, werde mit der als „Allheilmittel präsentierten Gentechnologie“ die Spezialisierung und Industrialisierung in der Landwirtschaft nur verschärft, mit den entsprechenden sozialen Konsequenzen.

In der Tierzucht solle die Gentechnik „die schlimmsten Folgen einer widersinnigen Tierzüchtung und -haltung, also Krankheits- und Streßanfälligkeit, abmildern ... Geschlechtsvorherbestimmungen, Klonen und gentechnische Eingriffe“ dienten nur dem Ziel, „noch mehr Nachkommen von Hochleistungstieren in noch kürzerer Zeit zu erhalten“. Es werde ignoriert, daß „Anfälligkeit für Streß oder Infektionskrankheiten eine Folge der Schwächung des Gesamtorganismus und damit der Haltungsbedingungen ist“ und deshalb auch nicht mit einem „Super-Gen“ zu beseitigen sei.