Querschüsse gegen Gorbatschow

Selbst in den sowjetischen Zeitungen, die den Kurs Michail Gorbatschows und seine Politik einer erweiterten Öffentlichkeit (glasnost) generell unterstützen, gibt es Querschüsse gegen die Reformen. So hat die Wochenzeitung des Schriftstellerverbandes Literaturnaja gasjeta jetzt eine ganze Seite wüster Attacken gegen den in der Bundesrepublik lebenden Schriftsteller Georgij Wladimow gerichtet. Wladimow, unter Breschnjew ausgebürgert, gehört zu den besonders ausgewogenen Autoren und wird von radikaleren Emigranten diskriminiert. Die Literaturzeitung wirft Wladimow nun indirekt Verbindungen zur CIA vor und verbindet diese Attacke mit scharfen Angriffen auf amnesty international und die frühere Moskauer Helsinki-Gruppe. Die Stoßrichtung ist unverkennbar: Gorbatschows Bemühungen, emigrierte sowjetische Künstler und den Nobelpreisträger Sacharow zurückzugewinnen, sollen diskreditiert werden. Erst kürzlich war in der ansonsten reformorientierten Tageszeitung Sowjetskaja Rossija ein diffamierender Artikel über den im Sowjet-Tourismus aktiven CVJM-Reisedienst und seinen Geschäftsführer Weber erschienen – auch das offenkundig ein Querschuß gegen Gorbatschows Politik der Öffnung.

Unglücksboten

Dem Überbringer schlechter Nachrichten drohte nicht nur im antiken Griechenland Ungemach, er muß auch in unseren modernen Zeiten mit Schwierigkeiten rechnen. Was Unglücksboten widerfahren kann, erlebt gerade die amerikanische Presse. Sie berichtet seit Wochen über die dubiosen Waffengeschäfte der Reagan-Administration mit dem Iran und den noch zweifelhafteren Geldtransfer an die Contras. Doch das Publikum lohnt den Enthüllungseifer nicht. Es bringt den Medien, wie eine Meinungsumfrage ergibt, seit Beginn der Iran-Enthüllungen immer weniger Vertrauen entgegen. Im Vergleich zu 1985 ist das Ansehen der Journalisten beinahe dramatisch – um ein Fünftel auf der Sympathie-Skala – gesunken. Die Meinungsumfrage gewährt der gebeutelten Presse nur einen Trost: Präsident und Kongreß haben bei der amerikanischen Öffentlichkeit noch stärker an Glaubwürdigkeit verloren.

Aus der Redaktion

Rosemarie Noack, von der Frankfurter Rundschau kommend, hat zu Beginn dieses Jahres die Leitung des Reiseteils übernommen.

Karl-Heinz Büschemann, vorher Münchner Korrespondent der Wirtschaftswoche, ist in die Wirtschaftsredaktion eingetreten. Ende August übernimmt er das Münchner ZEIT-Büro, wo er Hermann Bößenecker ablöst, der von Beginn des kommenden Jahres an als freier Autor in München arbeiten wird.