Deutschlands Afrikaurlauber sind verunsichert: Zahlreiche Touristen haben in den letzten Wochen ihre geplante Ferienreise auf den schwarzen Kontinent abgesagt. Grund: Sie fürchten sich vor Aids.

Wir haben eine ganze Menge Stornierungen in den letzten Tagen bekommen“, berichtet Wolfgang Schülke vom African Safari Club in Stuttgart. Das Unternehmen fliegt derzeit zwar noch jede Woche mit vier Jets Richtung Kenia. Doch trotz eines günstigen Preises – zwei Wochen Vollpension sind für 1450 Mark zu haben – bleiben bei Deutschlands größtem Afrika-Veranstalter viele Sitze leer. Schülke: „Die Aids-Angst schadet uns.“

Auch die Münchener Jahn-Reisen fürchten um ihr Afrikageschäft (pro Winter etwa 4000 Touristen). „Es wird wenig gebucht“, berichtet Vertriebschef Alfred Pickert, dessen Auftragseingänge derzeit 15 Prozent unter dem Vorjahresstand liegen. Beim Frankfurter Fernreisen-Veranstalter Inter-Air sieht man schwarz für das Afrikageschäft. „Viele Leute buchen um“, berichtet Verkäuferin Beatrice Bechtold.

Demgegenüber sagt die Touristik Union International (TUI), die im vergangenen Winterhalbjahr über 20 000 Kenia-Reisen verkaufte, es gäbe sogar einen Teilnehmerzuwachs für ihre „wichtigste Fernreisedestination“. Im Widerspruch dazu steht, daß der Veranstalter für Ende Februar einen wöchentlichen Charterdienst – den Donnerstag-Flug von Hannover nach Mombasa einstellen wird. Von der NUR Touristic in Frankfurt ist zu hören, daß sie nur eine Stornierung und eine Umbuchung habe vornehmen müssen.

Nicht überall freilich wird den beruhigenden Aussagen der großen Veranstalter (ITS: „Für uns ist dies kein Thema“) Glauben geschenkt. „Die wollen keine Hysterie aufkommen lassen“, heißt es auf der Chefetage einer großen deutschen Reisebürokette. Gäben die Reiseriesen die Angst ihrer Kunden in der Öffentlichkeit zu, so die Vermutung, stelle sich schnell das „Lemming-Syndrom“ ein: Jede Abbestellung zieht weitere nach sich.“

Nicht wenige Reiseunternehmen sind verärgert über die Behörden, von denen sie sich alleingelassen fühlen. „Das Problem ist“, so Jahn-Manager Pickert, „daß offiziell kein Ministerium oder Gesundheitsamt den Urlaubern reinen Wein einschenkt.“ Der Münchner Reiseprofi zielt dabei vor allem auf Presseberichte, denen zufolge auch Mücken Aids übertragen können. „Seither haben die Leute richtig Angst“, kommentiert Verkaufsleiter Schülke vom African Safari Club. Daß Veranstalter und Touristen bisher in puncto Aufklärung gleichermaßen im Stich gelassen wurden, dämmert allmählich auch Bundesbeamten: Im Bonner Ministerium für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit wird derzeit an einer ersten Presseerklärung zum Thema „Aids und Reisen“ gearbeitet, bei der Kölner Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZGA) wird eine Broschüre produziert, die allerdings erst im kommenden Sommer fertig sein wird.

So bleibt die Frage, wie gefährdet Afrikaurlauber wirklich sind, offiziell unbeantwortet. Unter deutschen Aids-Forschern herrscht die Meinung vor, Aids werde nur beim Geschlechtsverkehr übertragen. So sieht es auch der Leiter der Aids-Arbeitsgruppe beim Bundesgesundheitsamt, Professor Meinrad Koch: „Für den eigentlichen Touristen gibt es keinen Grund, nicht nach Afrika zu fahren.“

tdt