Wie man bei Meinungsumfragen die Antwort durch tendenziöse Formulierung der Frage beeinflussen kann, demonstrierte das der Industrie nahestehende Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Es ließ zum Jahresende über 4000 Bundesbürger den Satz präsentieren: „Die wirtschaftliche Situation ist zur Zeit so gut, daß die Gewerkschaften bei den nächsten Tarifverhandlungen ordentlich zulangen sollten.“

Nur knapp ein Viertel der Befragten stimmte der Forderung zu, drei Viertel würden zurückhaltende Lohnforderungen vorziehen – kein Wunder angesichts der Formulierung der Frage. Das IW verstieg sich zudem zu dem verwegenen Schluß: „Die weit überwiegende Mehrheit der Bundesbürger beurteilt die aktuelle Wirtschaftslage zwar positiv, sieht aber auch die Risiken im neuen Jahr.“ Wenn das Institut der deutschen Wirtschaft ernstgenommen werden will, sollte es derart unseriöse Interpretationen besser unterlassen.

Daß es der deutschen Landwirtschaft schlechtgeht, ist immer wieder zu hören. Dramatischer als Rudolf Schnieders, der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, dürfte jedoch kaum jemand die Misere beklagt haben. Er verglich die europäische Agrarpolitik mit der Lage Englands im Jahr 1940, „als es weltweit allein stand“. In Anspielung auf die Blut-Schweiß-und-Tränen-Rede Winston Churchills deklamierte Schnieders: „In der Agrarpolitik heute geht es nicht um Blut, aber es geht um Schweiß und Tränen.“ Da steht den Bauern ja noch einiges bevor, wenn der Vergleich mit den Briten ernst gemeint ist.

Dem FDP-Politiker Otto Graf Lambsdorff stehen bewegte Tage bevor: Sein Prozeß wegen Steuerhinterziehung vor dem Bonner Landgericht ist in die Endphase gegangen. Am 16. Februar ist das Urteil zu erwarten – genau zu Beginn der Woche, in der auch der neu gewählte Bundestag erstmals zusammentritt. Einer Aufnahme in die nächste Regierungsmannschaft stünde für den wirtschaftspolitischen Sprecher der FDP-Fraktion also zumindest kein schwebendes Verfahren mehr im Wege.

Doch selbst wenn der Graf mit völlig weißer Weste aus dem Flick-Prozeß herauskäme, würde er wohl der neuen Regierung Kohl-Genscher nicht angehören. Vielleicht hat Lambsdorff in den vergangenen Monaten Geschmack daran bekommen, ohne Rücksicht auf ein Ministeramt zu allem und jedem bissige Kommentare abzusondern.

Natürlich könnte ein Wirtschaftsminister Lambsdorff nicht so ungeniert wie der Abgeordnete Lambsdorff aussprechen, daß er (von CSU und Teilen der CDU geforderte) Maßnahmen wie die Investitionsrücklage für den Mittelstand „untauglich“ findet. Er könnte wohl auch nicht das Ziel der Steuerreform auf eine Entlastung der typischen FDP-Klientel, nämlich „für Unternehmen und die Leistungsträger der Bevölkerung“, beschränken, wie er das der künftigen Regierung ans Herz legte.

Eines der Zugpferde im CDU-Wahlkampf war zweifellos Finanzminister Gerhard Stoltenberg. Er ging auch in seinem Wahlkreis Rendsburg-Eckernförde unangefochten als Sieger durchs Ziel, doch sein Prestige scheint in den vergangenen vier Jahren an Glanz verloren zu haben. Bei der Bundestagswahl 1983 kam Stoltenberg bei den Erststimmen auf 52,4 Prozent; jetzt erzielte er nur noch 48,7 Prozent. Der Mann scheint allerdings weit beliebter als seine Partei zu sein, denn bei den Zweitstimmen fiel der Rückgang noch klarer aus: von 48,2 auf 42,2 Prozent.