Wer will schon Ost-Mark haben? Das Angebot ist größer als die Nachfrage.

Die berühmten Koffergeschäfte gab es immer schon. Da kamen namenlose Leute mit der S-Bahn aus Ost-Berlin, klappten in Westberliner Wechselstuben ihre Diplomatenköfferchen auf und tauschten einige zigtausend DDR-Mark in West-Geld.

Waren es Diplomaten, die zur Abwechslung mal nicht unverzollte Zigaretten geschmuggelt hatten? Waren es Abgesandte aus DDR-Betrieben, die West-Geld für außerplanmäßige Ersatzteile brauchten, um die Produktionspläne zu erfüllen? Oder waren es Spitzenfunktionäre, Wissenschaftler oder Künstler, von denen einige über nahezu unbegrenzte Mittel verfügen, und die westliche Luxusgüter anschaffen oder sich hier ein Devisenkonto anlegen wollten?

Niemand außer dem Geldboten selber wußte es genau, und niemand weiß es bis heute. Plötzlich haben die Koffergeschäfte wieder zugenommen, und auch die kleinen, von DDR-Rentnern auf West-Besuch umgetauschten Beträge werden höher.

Da andererseits die Nachfrage nach DDR-Mark eher nachläßt, verfällt der Kurs, seit Jahren schon. Ende 1984 wurden für hundert Ost-Mark rund zwanzig West-Mark gezahlt, ein Jahr später nur achtzehn Mark, Ende letzten Jahres kaum fünfzehn Mark und in der vergangenen Woche nur noch 8,85 Mark – ein absoluter Tiefstkurs, der inzwischen wieder auf 13,50 Mark gestiegen ist.

Erklären kann sich das niemand genau. In Berlin werden bei den Banken verhältnismäßig wenig Ost-Mark eingetauscht. Die größeren Beträge, oft sogar teils neue, teils gebrauchte Scheine in Banderolen der DDR-Staatsbank, kommen in Zürich und in Wien an. Das kann heißen, daß sie möglicherweise sogar aus anderen Ostblockländern in den Westen gelangen.

Es kann aber auch sein, daß die kleinen, privaten Wechselstuben in West-Berlin, von denen es ein knappes halbes Dutzend gibt und die vor allem von Reisenden aus der DDR mit Ost-Mark versorgt werden, diese Gelder nicht in Berlin zurücktauschen, sondern sie lieber auf dem größeren Markt in Zürich oder Wien unterbringen. Doch hüllen sich die Kenner auch hierüber in Schweigen.