Nach der Wahlschlappe aus heiterem Himmel: Auch die CSU ist ratlos

Von Nina Grunenberg

München, im Januar

Am Montag war Franz Josef Strauß schon wieder so artikulationsfähig, daß er den Ärger über die verlorenen 4,3 Prozentpunkte (die CSU sank von 59,3 Prozent bei der Wahl 1983 auf 55,2 Prozent) staatstragend formulieren konnte. Am Dienstag zeigte er sich in Bonn milde wie Kartoffelbrei. Die Sanftmut, mit der er in der CDU/CSU um Ausgleich, Vernunft und Gemeinsamkeit warb, brach der Rebellion gegen ihn die Spitze ab.

Auch in der CSU-Landesgruppe warb er um Einverständnis und Konsens. Dennoch – sein Fernsehauftritt als Gelackmeierter der Nation ist der CSU in die Glieder gefahren. Mitansehen zu müssen, wie ihr von Wut und Frankenwein angeschlagener Parteichef den unterhaltungssüchtigen Teil des Tele-Publikums zu Begeisterungsstürmen hinriß, versetzte seine Gefolgschaft in einen Betäubungszustand, aus dem sie auch am nächsten Tag noch nicht wieder zu sich gekommen war. Die Pein war zu groß. „Ich habe mich geschämt“, bekannte ein verstörter CSU-Mitarbeiter.

Der Zorn auf den „Alten“ wird noch gezügelt und verdrängt, aber er ist auch in der CSU spürbar. Die Basis begann bereits mit ihm zu hadern, als Franz Josef Strauß anfing, über die Chancen einer absoluten Unionsmehrheit zu spekulieren. Die Wut steigerte sich, als er die Wahlen für „gelaufen“ erklärte, während seine Wahlhelfer sich noch in Eis und Schnee für ihn abrackerten. Auch der „künstliche Ärger“, den er mit der FDP anfing, wurde in Bayern nicht durchweg als hilfreich angesehen.

Wer den Schachzüeen des Bayernherzogs zu folgen vermag, der erklärt allerdings, daß seiner Kampagne gegen die FDP ein taktischer Meisterplan zugrunde lag, der keinen Schönheitsfehler hatte, nur einen Rechenfehler. Demnach wollte Strauß mit seinem Gerede über das Ende der Entspannungspolitik und mit den Klagen über die zu laxe Haltung der Koalition in Fragen der inneren Sicherheit der FDP gerade eben soviele Wähler zutreiben, daß sich für Helmut Kohls Union das „Fenster der Verwundbarkeit“ geöffnet hätte. Für das Gelingen seines Plans ließ er sich von seiner Überzeugung leiten, daß das Bürgertum, „feige, ängstlich, ja i möcht sagen, timide“ ist, um nicht zu sagen: sich ausreichend vor ihm ängstigt. Gleichzeitig, so die Lesart der Auguren, wollte er damit auch beweisen, daß er als Kanzlerkandidat mit 44,5 Prozent, die er 1980 für die Union „geholt“ hatte, vor der Geschichte nicht so schlecht dagestanden hat, wie die Unionsfama bis heute glauben machen will.