Von Wolfgang Zank

In Skandinaviens Touristikgeschäft ist mächtig etwas los: Kopenhagen, vor kurzem noch der teuerste europäische Startpunkt für New-York-Flüge, wurde mit einem Schlag zum billigsten; eine scheinbar allmächtige Allianz zwischen der Fluggesellschaft SAS und der Verkehrsbürokratie wurde in aller Öffentlichkeit zum Einlenken gezwungen; Parlamentsabgeordnete, die bislang von bemerkenswerter Vertrauensseligkeit gegenüber der SAS waren, wurden auf die Folgen von Monopolpraktiken und politisch-wirtschaftlicher Verfilzung aufmerksam; ein Verkehrsminister wurde als Simpel entlarvt; ein konservativer Premier konnte seine Wahlchancen deutlich verbessern, und ein Reisekonzern sowie eine Mini-Luftfahrtgesellschaft errangen eine Publizität, die den Neid der Konkurrenz weckt.

Die vielen Wirkungen sind das Ergebnis einer professionell geführten Kampagne aus der dänischen Provinz, genauer: aus dem Dorf Tjaereborg, zehn Kilometer östlich von Esbjerg gelegen. In Tjaereborg hat der Reisekonzern gleichen Namens seinen Sitz. In einem mit Computer-Terminals vollgestopften Flachbau residiert dort der Pastor Emeritus Eilif Krogager, 76 Jahre alt, Gründer und Eigentümer des Konzerns. Krogager erscheint noch immer täglich für einige Stunden im Büro und schaut nach dem Rechten. Den mit der Konzernleitung verbundenen Kleinkram überläßt er seinen vier Direktoren, aber wer die Marschrichtung angibt, daran läßt er keinen Zweifel. Sein jüngster Coup ist das billigste europäische Flugangebot von Kopenhagen nach New York und zurück für nur 525 Mark.

Billig war Krogager immer schon. 1950 war es dem von Hause aus reiselustigen Krogager in den Sinn gekommen, für seine Schäfchen eine Bustour nach Spanien zu organisieren, kurz darauf noch eine nach Oberammergau. Den Leuten gefiel es, und so machte er einfach weiter. Auf diese Weise baute er nebenher ("Ich war immer in erster Linie Priester!") einen Konzern auf. Mittlerweile erwirtschaften rund 3000 Tjaereborg-Angestellte einen Umsatz von etwa 800 Millionen Mark, und die Maschinen der Tjaereborg-eigenen Sterling Airways transportieren pro Jahr mehr als eine halbe Million Menschen gen Süden. Auch rund 20 000 Deutsche fliegen jedes Jahr mit der Sterling. Die deutsche Tjaereborg-Gesellschaft wurde zwar verkauft, aber im Gebiet nördlich der Elbe findet der dänische Pastor immer noch deutsche Kundschaft,

So barmherzig sich der Gottesmann gegen seine Klienten gibt, so hart springt er mit seinen Managern um. Alle zwei bis drei Jahre warf er bisher seine Direktoren raus und engagierte neue. Das liegt keinesfalls daran, daß es vielleicht schwierig wäre, mit ihm zusammenzuarbeiten: "Ich bin der umgänglichste Mensch auf der Welt. Man muß nur genau das tun, was ich sage."

Der Statistik zufolge wäre jetzt der 37jährige Jens Veino der nächste Rauswurf-Kandidat. Veino leitet seit nun schon fast zwei Jahren Tjaereborgs Reisedivision und hat damit den nach Krogager wichtigsten Posten inne. Der Pastor kann mit Veino nicht richtig zufrieden sein, denn der Konzerngewinn blieb mit dreizehn Millionen Mark im vergangenen Jahr deutlich hinter Krogagers Erwartungen zurück. Bei der Frage nach der Gültigkeit von Rauswurfstatistiken wird Veino denn auch sichtlich nervös.

In den vergangenen Wochen hatte Jens Veino allerdings wenig Zeit gehabt, sich allzu viele Gedanken um derlei Fragen zu machen. Ein neues Ferienziel nahm seine ganze Aufmerksamkeit in Anspruch: New York.