Unmittelbar nach der Bundestagswahl herrschte in den deutschen Börsensälen zunächst einmal Katerstimmung. Denn ihr Ergebnis war nicht dazu angetan, eine Jubel-Hausse auszulösen, wie sie von nicht wenigen Börsianern eigentlich erwartet worden war. Denn angesichts der Währungssituation, der sich abschwächenden Konjunktur und der demzufolge erforderlich gewordenen Reduzierung der Gewinnschätzungen für 1987 können „Kurswunder“ vorerst nicht erwartet werden. Diese Aussicht war es, die in dieser Woche eine Abgabewelle auslöste und die Kurse der meisten Standardaktien kräftig purzeln ließ.

Dabei hielt sich das Angebot aus dem Ausland bisher in engen Grenzen. Dazu mag beitragen, daß für die meisten europäischen Anleger die wirtschaftlichen Verhältnisse in der Bundesrepublik geradezu als ideal gelten, selbst wenn die Zinsen kaum noch sinken und bei den Unternehmensgewinnen voraussichtlich ein Knick eintreten wird.

Natürlich leidet auch der deutsche Aktienmarkt derzeit unter dem Sog von Wall Street, wohin vor allem das vagabundierende internationale Kapital zieht. Die großen Pensions- und Investmentfonds scheinen aber an ihrem eben erst aufgebauten deutschen Portefeuille festhalten zu wollen.

Die deutschen Anleger hoffen nun darauf, daß es der FDP in den Koalitionsverhandlungen gelingen wird, den Termin der geplanten Steuersenkung auf die Jahresmitte vorzuverlegen. Steuerentlastungen im oberen Tarifbereich und bei der Körperschaftsteuer hätten am Aktienmarkt eine doppelte Wirkung. Einmal würde die steuerliche Entlastung der Unternehmen ihre internationale Konkurrenzfähigkeit stärken, zum anderen würde gerade jener Personenkreis begünstigt, der traditionell an Aktien interessiert ist. K. W.