Natürlich muß niemand eine Einladung zu einer Diskussion oder Konferenz annehmen, selbst wenn eine Landesregierung Veranstalter ist und der Ministerpräsident persönlich Bittbriefe schreibt. Wenn die IG Chemie und die Unternehmer aus der chemischen Industrie in der Bundesrepublik sich also in trauter Eintracht weigern, an einem mehrtägigen Symposium der hessischen Landesregierung mit dem Thema „Chemiestandort Hessen“ teilzunehmen, dann ist das ihr gutes Recht – nur ganz bestimmt nicht sehr klug.

Da soll vom 4. bis zum 6. März im Wiesbadener Landtag über die Chemieindustrie, Umweltschutz, Abfall und Müllbeseitigung geredet werden. Das ganze war eine Idee von Joschka Fischer, lange vor der Giftkatastrophe im Rhein. Fischers Behörde organisiert die Tagung auch, doch offiziell ist es eine Veranstaltung der Landesregierung: Ministerpräsident Holger Börner spricht, der Wirtschafts- und auch der Sozialminister sind vertreten, zudem Wissenschaftler und zwei Funktionäre des DGB. Wer aber glaubt, das Thema Chemie und Umwelt sei inzwischen so wichtig, daß auch die Fachgewerkschaft und die Unternehmer dort mitreden wollten, der hat sich geirrt.

Mit fadenscheinigen Argumenten begründen beide ihre Absage. Die Manager bleiben fern, weil nicht über die gesamte Industrie in Hessen geredet wird, sondern nur über ihre Branche. Nur ein Vertreter des Schweizer Konzerns Ciba-Geigy sieht das offenbar anders, er kommt.

Ausgerechnet IG Chemie-Chef Hermann Rappe äußerte die Befürchtung, die Chemieindustrie solle dort mit Umweltproblemen identifiziert werden. Wer, außer einem grünen Umweltminister, sollte wohl nach der Rheinkatastrophe bloß auf so eine Idee kommen? hp