„Der tödliche Freund“ von Wes Craven

Rüde und grell fing er an, ohne Rücksicht auf Gefühl und Geschmack. Er zeigte zynische Killer, die ihre zufälligen Opfer bestialisch abschlachten, brutale Rächer mit Skalpell und Motorsäge, hungrige Kannibalen in Nevada, Hexen und Teufelsanbeter und einen schwarzen Mann mit Rasierklingen an den Fingern, der seine Opfer im Schlaf heimsucht. Wes Craven, ehemaliger Dozent für Philosophie, wollte von Anfang an erreichen, „daß die Zuschauer wirklich in ihrem Innersten entsetzt, gepackt werden“. Seine Gewalt war nie nett und sauber, sondern immer schmerzhaft, lang andauernd, schockierend.

Auch Cravens neuer Film hat noch zwei, drei grelle, schockierende Szenen. Doch sie wirken eher wie Relikte aus einer anderen Zeit. Man sieht dem Film an, daß er für ein großes Studio gedreht wurde. „Deadly Friend“ erzählt noch einmal die alte Geschichte von dem jungen Mann, der nur das Gute will und doch das Böse schafft. Was als Alltagsbeschreibung beginnt, endet als Variation eines Zombiefilms. Cravens Trost für alle, die den Schlußpunkt nicht akzeptieren: Es gibt ein Maschinenleben nach dem Tod.

Ein Junge verliert kurz hintereinander seinen Freund – einen intelligenten Roboter – und seine Freundin, findet sich damit aber nicht ab. Er hält sich nicht an Fakten, sondern an seine Phantasie. Er setzt den Chip, der das Gehirn des Roboters speichert, dem toten Mädchen ein. So bekommt er auf einmal zurück, was er zweifach verlor. Aber lange hat der junge Mann seine Erfindung nicht im Griff, was Craven die Gelegenheit bietet, alte Mythen und alte Kinoszenen zu zitieren und zu variieren und über lebende Tote das Unfaßbare in Bilder zu fassen, das Unvorstellbare zum Vorschein zu bringen. Wie schon seine Horrorfilme, so zielt auch seine Zombie-Variation auf den „legitimen Irrsinn“. Norbert Grob

„Zweimal im Leben“ von Bud Yorkin

Nein, Szenen einer Ehe à la Ingmar Bergman werden uns nicht vorgeführt. Die nordische Schwermut, die Unerbittlichkeit der Gefühle haben im amerikanischen Vorstadtalltag keinen Platz. Hier geht es moderater zu. Harry, Schichtarbeiter in der Stahlindustrie (Gene Hackman), wird fünfzig. Eine fröhliche Familie beschenkt und feiert ihn. Seine Frau schreibt ihm nach dreißigjähriger Ehe anrührende Verse der Verehrung; die Kinder und das Enkelkind sind einfach lieb. Harry könnte zufrieden sein, doch an seiner Gestik, seiner Mimik, seinen Worten merkt man: ganz wohl ist ihm nicht. In der Kneipe nebenan, mit seinen Kumpeln, fühlt er sich offensichtlich besser. Laut und lärmig geht’s dort zu: eine Männergesellschaft, Schulter und Sprüche klopfend, wie sie im Buche steht.

Dann passiert’s: Harry verliebt sich in die neue Serviererin. Nichts ist mehr wie zuvor. Liebenswert schüchtern sein Verhalten beim ersten Rendezvous mit Audrey (Ann-Margret); sie hingegen erzählt von ihrer Ehe, dem Tod ihres Mannes und davon, daß sie sich mit ihrem Single-Dasein bereits angefreundet habe. Die Macht der Gefühle jedoch – von der bei Yorkin freilich nicht allzuviel zu spüren ist – scheint stärker. Harry verläßt die Familie. Die Ehefrau reagiert tränenreich, die verheiratete Tochter furios. Die jüngste läßt sich nicht schrecken. Sie wagt trotz allem einen Frühstart in die Ehe, was dem Regisseur Gelegenheit gibt – derzeit in amerikanischen Filmen überaus beliebt – eine Hochzeitszeremonie in Szene zu setzen.