Bochum: „Wechselwirkungen – Ungarische Avantgarde in der Weimarer Republik“

Es mag wohl eher ein Zufall sein als kollegiale Zusammenarbeit, daß gleich drei nordrheinwestfälische Kunstinstitute sich den zwanziger Jahren, besonders dem Bauhaus, zuwenden. Interessant ist, was sich innerhalb eines vielfältig präsentierten Repertoires behauptet oder neu vorgeführt wird. „Bauhausphotographie“, eine Ausstellung von 124 Arbeiten im Kölnischen Kunstverein, legt den Rang für einen Bereich künstlerischer Gestaltung fest, der am Bauhaus erst 1929 im Lehrplan aufgenommen wurde. Die Schau bietet ebenso wie die gleichartige Ausstellung „Photographie und Bauhaus“ in der Hannoverschen Kestner-Gesellschaft 1986 ein Kaleidoskop der Umgangsmöglichkeiten mit dem damals hochmodernen Medium (bis 15. 2., Katalog 20 DM). Das „neue Sehen“, das neue Ausdrucksmittel Photographie zog zum Beispiel Laszlo Moholy-Nagy an – auf dem Weg zu einem neuen Bewußtsein, zu einer positiven, die Kräfte der Technik einbeziehenden Lebenshaltung. Dem Maler, Graphiker, Plastiker, Typographen und Photographen widmet das Haus Lange in Krefeld eine kleine, von einem instruktiven Katalog begleitete Schau (bis 1. 3., Katalog 8 DM). Dem hier vor allem als „Lichtbildner“ vorgeführten Künstler widerfährt es nun, an fast benachbartem Ort noch viel umfangreicher präsentiert zu werden: Nach den Staatlichen Kunstsammlungen in Kassel zeigt das Museum Bochum einen höchst spannungsvollen und außerordentlich frisch anmutenden Uberblick über die „Ungarische Avantgarde in der Weimarer Republik“. Moholy-Nagy wird neben Aurel Bénráth, Béla Kádár, Sándor Bortnyik, Lajos Kassák, Lászlo Péri, Marcel Breuer und vielen anderen zu einer der tragenden Figuren. Es gelingt hier auf anregende Weise, eine Art von Seminarthema für eine breite Öffentlichkeit zu behandeln. Unter dem Stichwort „Wechselwirkungen“ erfährt man, wie vital, innovativ und folgenschwer die junge Avantgarde Ungarns sich nach der gescheiterten Revolution von 1918/19 im Berlin der zwanziger Jahre und am Bauhaus in Dessau entwickelt hatte – in einem internationalen Dialog, wie er an diesen Orten damals möglich war. Man sieht mehr als siebenhundert Beispiele aus Architektur und Malerei, Photographie und Typographie, Design und Bühnenbild und erfährt, daß das Ungarische im Deutschland der zwanziger Jahre ein außerordentlich belebendes Element war, nicht zuletzt in den bildenden Künsten. (Museum Bochum bis zum 15. Februar, Katalog 68 DM) Ursula Bode

Wichtige Ausstellungen

Berlin: „Richard Oelze – Retrospektive der Gemälde und Zeichnungen“ (Akademie der Künste bis 4. 3., Katalog 34 DM)

Berlin: „Toulouse-Lautrec – Das gesamte graphische Werk“ (Nationalgalerie bis 8. 3., Katalog 42 DM)

Bremen: „Fernando Botero – Bilder – Zeichnungen – Skulpturen“ (Kunsthalle bis 1. 3., Katalog 38 DM)

Essen: „Frank Auerbach“ (Museum Folkwang bis 1.3., Katalog 28 DM)