Das Tief scheint überwunden. Trotz der Skandale um die Neue Heimat melden die meisten deutschen Gewerkschaften für 1986 einen Zuwachs an Mitgliedern. Schon 1985, im Jahr nach den großen Streiks um die Verkürzung der Arbeitszeit, spürten die Arbeitnehmerorganisationen Aufwind, nachdem es zu Beginn der achtziger Jahre zum Teil drastisch bergab gegangen war.

Die IG Metall, größte Organisation im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), meldet für das vergangene Jahr ein Plus von gut 45 000 auf knapp 2,598 Millionen Mitglieder. Ihren Höchststand von 1978, als sie 2,680 Millionen Mitglieder zählte, hat die IG Metall zwar noch nicht wieder erreicht, doch seit August 1984, also kurz nach dem Ende des Streiks, geht es Monat für Monat aufwärts.

Vier andere Gewerkschaften im DGB verzeichnen sogar neue Rekorde: Die Gewerkschaft öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV) gibt ihren Mitgliederstand für 1986 mit 1,198 Millionen an (knapp 20 000 mehr als im Jahr zuvor). Die Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen kam auf 376 000 (plus 5300). Spitzenergebnisse erzielten auch die Deutsche Postgewerkschaft und die Gewerkschaft Gartenbau, Land- und Forstwirtschaft.

Noch mehr Zuwachs als die IG Metall meldet die IG Chemie (plus 46 000), die 1986 bei knapp 654 000 Mitgliedern lag. Ebenfalls über Zulauf dürfen sich die IG Druck und die Gewerkschaft Kunst freuen. Das kräftigste Minus mußte die IG Bau mit einem Rückgang von mehr als 21 000 Mitgliedern hinnehmen. Die Krise der Branche macht sich hier deutlich bemerkbar. Alles in allem wird der DGB mit einem Plus für 1986 abschneiden. Die Neue-Heimat-Affäre hat nicht den Einbruch gebracht, den viele erhofft oder befürchtet hatten – je nach Standpunkt.

„Gedankenspiele“ nennt ein Sprecher der Deutschen Lufthansa ein Strategiepapier des neuen Marketing-Mannes Franz Schoiber über Flugpreise und Kapazitäten in einer liberalisierten Fliegerwelt. „Das ist alles mal aufgeschrieben worden, damit es nicht verlorengeht.“ Der Vorstand hat es abgesegnet.

Doch wann die Überlegungen verwirklicht werden, steht noch in den Sternen. Zuvor nämlich müssen sich die Verkehrsminister der Europäischen Gemeinschaft auf eine Liberalisierung des Luftverkehrs in Europa einigen. Und trotz des Drängens der Briten ist dies nicht, wie geplant, zum Ende des vergangenen Jahres gelungen.

In dem Papier tauchen die bekannten Vorschläge für Spartarife zu Sonderkonditionen von zwanzig bis vierzig Prozent unter den Normaltarifen auf, die jeweils noch va-1985 noch an der Spitze, so rutschte das größte Versorgungsunternehmen über Platz sechs am 1. Januar 1986 auf Platz siebzehn zu Beginn dieses Jahres. Einen noch tieferen Fall tat der RWE-Nachbar Vereinigte Elektrizitätswerke Westfalen (VEW), der vom zweiten auf den 43. Ring sackte.