Protektionismus hat einen hohen Preis. Den müssen vor allem die Verbraucher zahlen. So kostet es zum Beispiel die amerikanischen Autokäufer eine horrende Summe, wenn ihre Regierung durch Handelsbeschränkungen den eigenen Produzenten lästige Konkurrenz aus dem Ausland vom Hals halten will: Schätzungen zufolge sind 240 000 Dollar für jeden Arbeitsplatz aufzubringen, der gegen Importe geschützt wird. Insgesamt wurden die amerikanischen Verbraucher 1984 wegen der Importbeschränkungen bei Autos mit rund 5,8 Milliarden Dollar belastet.

Der Grund: Protektionismus führt zur Vergeudung knapper Ressourcen, die heimische Wirtschaft arbeitet weniger effizient, die Preise für die betroffenen Industriegüter steigen. Im Durchschnitt klettern sie um zehn Prozent, wie die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) feststellte. Professor Gary Hufbauer von der Georgetown-Universität in Washington schätzt den Preissteigerungseffekt der Maßnahmen zum Schutz der Textil- und Bekleidungsindustrie in den USA sogar auf bis zu 24 Prozent.

Eine Reihe von Studien weist nach, daß die erhofften Ziele mit protektionistischen Maßnahmen nie erreicht wurden, eher das Gegenteil. Schon 1984 fand die US-Handelskommission heraus, daß die gesamten volkswirtschaftlichen Kosten für die amerikanischen Außenhandelsmaßnahmen 12,7 Milliarden Dollar pro Jahr betragen. Und dabei ist nicht einmal garantiert, daß die betroffenen Industriezweige den gewährten Freiraum tatsächlich zur Umstrukturierung und Modernisierung nutzen.

Für die Beschäftigung ist Protektionismus im günstigsten Fall unwirksam. Selbst in den vor der ausländischen Konkurrenz geschützten Industrien haben Importbeschränkungen selten mehr als zwei bis drei Prozent der Arbeitsplätze gesichert – und dazu noch häufig auf Kosten alternativer Beschäftigungsmöglichkeiten in anderen Sektoren. Trotz weitgehender Protektion der Stahl-, Textil- und Bekleidungsindustrie ist die Zahl der Arbeitsplätze von 1973 bis 1984 in diesen Branchen sowohl in den USA als auch in der EG um bis zu 54 Prozent zurückgegangen.

Hauptbetroffene aber sind die Schwächsten im Glied der Handelskette: die Entwicklungsländer. Für sie ist das Wachstum ihres Exports besonders wichtig, um ihre gigantischen Schulden zurückzahlen zu können.

Im schlimmsten Fall profitiert sogar die ausländische Konkurrenz, vor allem bei Abkommen über eine Exportselbstbeschränkung. Sie kann ihre Gewinne steigern und damit auch die Wettbewerbsfähigkeit.

Connie Moran