Raucher an Bord von Flugzeugen geraten zunehmend in die Defensive, Mit einem größeren Platzangebot für Nichtraucher wollen Fluggesellschaften nun auf den sich ausbreitenden No-Smoking-Trend reagieren.

Mit dem Thema sind die Verantwortlichen der Fluggesellschaften bestens vertraut. Seit Jahren schon suchen sie nach Rezepten, mit denen sich das Zusammenleben von Rauchern und Nichtrauchern an Bord befriedigend gestalten läßt. Das Beispiel der sowjetischen Aeroflot, die schon vor mehr als zehn Jahren „aus Sicherheitsgründen“ auf allen inländischen Strecken ein Rauchverbot verhängte, erschien dabei lange Zeit als wenig diskutabel. Doch im Zuge der umsichgreifenden No-Smoking-Bewegung ist die Nikotin-Null-Lösung auch bei anderen Fluggesellschaften salonfähig geworden.

So richtete zum Beispiel Air Canada bereits Mitte letzten Jahres auf den sogenannten Rapid-Air-Strecken Toronto-Montreal-Ottawa von 72 täglichen Verbindungen 39 als reine Nichtraucherflüge ein. Derzeit prüft das Unternehmen, ob die nikotinfreien Trips auch auf andere Routen ausgedehnt werden sollten. Gedacht ist etwa an die Dreiecksverbindung Edmonton-Calgary-Vancouver.

Glaubt man den Air-Canada-Kundenbefragungen, dann reagieren die Passagiere mit Beifall auf die unverrauchte Luft an Bord. Selbst unter den Rauchern urteilten 63 Prozent positiv über die neue Lage. Die großen Tabakkonzerne mochten sich allerdings dieser Zustimmung nicht anschließen. Sie legten ihren Mitarbeitern nahe, Maschinen mit dem Ahornblatt tunlichst zu meiden. Um den Ärger in Grenzen zu halten, verzichtete Air Canada auf die Revanche und bot die Produkte der Tabakkonzerne auch weiterhin im zollfreien Bordverkauf an.

Von diesem Gerangel gänzlich unbeeindruckt ging die ungarische Fluglinie Malev noch einen Schritt weiter. Sie führte im November 1986 das Rauchverbot auch auf internationalen Routen ein. Betroffen sind alle Strecken mit einer Flugzeit bis zu 90 Minuten. Wegen der guten Resonanz, so Malev-Sprecherin Renate Kalex-Kühne, plane das Unternehmen die Fortsetzung dieses „Gesundheitsförderungsprogramms“ auch für den Sommerflugplan 1987. Zudem soll die Zahl „rauchfreier“ Destinationen von zehn auf 18 erweitert werden.

Die Deutsche Lufthansa sieht unterdessen noch keinen Anlaß, nichtrauchenden Kunden eigene Flugzeuge zu reservieren. Allerdings, so räumen Firmensprecher ein, werde derzeit intensiv über dieses „emotionsgeladene Thema“ nachgedacht. So soll Anfang März dieses Jahres der Anteil der Nichtraucherplätze an Bord aller LH-Flugzeuge auf einheitlich 70 Prozent angehoben werden. Schwierigkeiten bei der Entscheidungsfindung: Während die Lufthansa-Statistiker unter den Passagieren auf der Nordatlantik-Strecke neuerdings bis zu 80 Prozent Nichtraucher ausmachen, sorgen die japanischen Fluggäste auf den Polrouten für Raucher-Quoten in gleicher Größenordnung.

So gesehen ist die Gelassenheit von SAS-Sprecher Günther Schmidt verständlich. Die skandinavische Fluggesellschaft experimentierte vor einem Jahr unter großem Anfangsapplaus auf der Strecke Oslo-Stockholm mit den Nichtraucherflügen. Doch als es ernst wurde, meinten fast 40 Prozent der Passagiere: „Wir wollen lieber beides.“ Damit war, so Schmidt, das Thema vorerst vom Tisch. hbk