Meuternde Militärs und Schüsse auf demonstrierende Bauern: Auf den Philippinen eskaliert die Gewalt, Der Widerstand gegen Präsidentin Aquino wächst. Ist das demokratische Experiment schon gescheitert?

Die Lage sei unter Kontrolle, die Bevölkerung solle Ruhe bewahren. Immer wieder sendete das Fernsehen am Dienstag die Botschaft Corazon Aquinos an die Filipinos. Mehrere hundert Offiziere und Soldaten hatten in der Nacht zuvor vergeblich versucht, den Luftwaffenstützpunkt Villamor in Manila und die Marinebasis Sangley Point südlich der Hauptstadt Manila zu stürmen. Regierungstreue Truppen verhinderten auch einen Angriff auf das Polizeihauptquartier Camp Crame. Es gelang den meuternden Einheiten jedoch, einen Fernsehsender und eine Rundfunkstation zu besetzen.

General Fidel Ramos, der Stabschef der Streitkräfte, versicherte, das Militär stehe hinter der Regierung Aquino. Wieder einmal konnte – und mußte – sich die Präsidentin auf die Loyalität ihres obersten Soldaten verlassen. Schon im November hatte Ramos einen Putschversuch junger Offiziere um den damaligen Verteidigungsminister Juan Ponce Enrile vereitelt.

Die Entlassung Enriles und der wenige Tage später vereinbarte Waffenstillstand mit der aufständischen „Neuen Volksarmee“ hatte Corazon Aquino eine kurze Atempause verschafft. In dem durch Putschgerüchte und politische Morde aufgewühlten Klima bewies, die Präsidentin Entschlußkraft und Standfestigkeit.

Doch die Hoffnung auf eine Stabilisierung der innenpolitischen Situation fand ein jähes Ende, als in der vorigen Woche Marineinfanteristen das Feuer auf demonstrierende Bauern und Landarbeiter eröffneten, die zum Präsidentenpalast gezogen waren, um die Verwirklichung der von der Regierung versprochenen Landreform zu fordern. Neunzehn Demonstranten starben auf der Mendiola-Brücke, die unter Ferdinand Marcos zum Symbol für den Widerstand gegen die Diktatur geworden war.

Hatten die Soldaten nur „überreagiert“, wie Fidel Ramos sagte? Oder hatten Offiziere kaltblütig den Schießbefehl erteilt, um die Friedensgespräche der Regierung mit den Aufständischen zu sabotieren?

Noch am Abend dieses „blutigen Donnerstags“ wurden die Gespräche mit der aufständischen Linken unterbrochen. Die Verhandlungsführer der „Nationalen Demokratischen Front“ fürchten nach dem Massaker auf der Mendiola-Brücke um ihre Sicherheit. Sie sind inzwischen wieder in den Untergrund gegangen.