Es gibt Utensilien, die der Mensch unbedingt dabei haben muß, wenn er außer Haus geht. Bei Frauen ist die Sache klar. Portemonnaie, Brieftasche, Lippenstift, Kamm oder Bürste, ein paar Papiertaschentücher, all das wandert in die Handtasche. Und bei Männern? Zwar ist deren Kleidung reichlich mit Taschen gesegnet, und so im Prinzip mit genügend Stauraum für alles. Portemonnaie in der Gesäßtasche, Taschentuch und Feuerzeug in den vorderen Taschen der Hose, und der Rest findet seinen Platz in den Innentaschen des Jacketts: Zigaretten unten links, Brieftasche oben links, davor Kamm und/oder Kugelschreiber, oben rechts der Terminkalender zum Beispiel.

Doch was auf den ersten Blick höchst praktisch eingerichtet scheint, ist meistens unbequem. Ist alles untergebracht, scheint das Jackett plötzlich zwei Nummern zu klein. Man kriegt es kaum noch zu, und die Taschen beulen aus. Kurz: Der korrekt gekleidete Herr erleidet – so bepackt – einen Verlust an Eleganz. Dem unbekannten Modemacher sei also Dank, der vor Jahren das Handtäschchen für den Mann erfand. Alles findet darin seinen Platz. Ausgestattet mit einer praktischen Schlaufe baumelt es schwarz- oder burgunderfarben am Handgelenk oder wird lässig zwischen Unterarm und Hüfte eingeklemmt.

Doch kaum zu glauben, dieses segensreiche Männerutensil macht den Banken und Sparkassen im Lande zu schaffen. Ob aus praktischen Erwägungen oder schlicht aus nachlässiger Bequemlichkeit, der deutsche Durchschnittsmann, so hat das Kreditgewerbe erkennen müssen, packt in das Handtäschchen auch seine Euroschecks und die Scheckkarte hinein, obwohl beides doch nur getrennt aufbewahrt werden soll. Allen Warnungen der Banken zum Trotz will er davon nicht lassen.

Das wiederum freut ein dunkles Gewerbe, das darauf spezialisiert ist, den Mann um seine Handtasche zu erleichtern. Der Diebstahl von Euroschecks und Scheckkarten, ein Delikt, das es nach Meinung der Kreditinstitute eigentlich gar nicht geben dürfte, nimmt in der Bundesrepublik beachtlich zu. Zweistellige Zuwachsraten waren in den vergangenen Jahren die Regel, und der Schaden geht in die Millionen. Allein im vorigen Jahr sollen gestohlene Euroschecks im Wert von rund 25 Millionen Mark mit den jeweils dazugehörenden Scheckkarten von unrechtmäßigen Besitzern eingelöst worden sein. Die Fachleute des deutschen Kreditgewerbes sind nach gründlichem Studium der Diebstähle zu dem einhelligen Urteil gekommen, daß sich der weitaus größte Teil der geklauten Schecks und Scheckkarten in den besagten Handtaschen, gelegentlich auch in denen der Frauen, befunden haben muß.

Nun ist es aber völlig falsch anzunehmen, daß organisierte Verbrecherbanden vorzugsweise Männer und Frauen mit Handtaschen überfallen, um an die begehrten Zahlungsträger, wie die Schecks im Bankenjargon heißen, heranzukommen. Von allen rund achttausend Bundesbürgern, denen im vergangenen Jahr Scheck und Scheckkarte abhanden kamen, war ungefähr nur jeder dreißigste Opfer eines Raubüberfalles, und das vornehmlich im Ausland.

Die stets rechtzeitig zur Feriensaison in den Gazetten auftauchenden Schreckensmeldungen über Motorroller-Gangs, die im Vorbeifahren ahnungslosen Touristen die Handtasche vom Handgelenk oder von der Schulter reißen, mögen manchen aufrechten Deutschen zwar dazu bewegen, seinen Urlaub nicht in Italien, sondern zu Hause oder vielleicht noch in Dänemark zu verbringen. Aber das ist ein grober Fehler, zumindest, wenn es um die Sicherheit von Handtasche und Euroscheck geht. Von drei geklauten Schecks werden nämlich zwei hier im Lande entwendet.

Nein, weder der Raub, noch der Diebstahl der Schecks im Hotel, am Arbeitsplatz oder bei einem Einbruch in die Wohnung zählen in der Statistik wirklich. Das alles fällt kaum ins Gewicht. Die Handtaschen und ihr wertvoller Inhalt werden vorzugsweise aus dem Auto geklaut, und meistens dann, wenn es in deutschen Landen auf einem Parkplatz steht.