Generaldirektor Paul Fentener van Vlissingen resignierte. Mitte vergangener Woche gab der Chef des mächtigsten Familienkonzerns der Niederlande bekannt, sein Unternehmen werde sich aus Südafrika zurückziehen.

Die SHV Holdings, fünftgrößte Firma der Niederlande und weltweit operierendes Handelshaus, verkauft auch Kohle vom Kap und ist Eigentümer der Großhandelskette Makro, die in dem Apartheidsstaat immerhin 2000 Menschen beschäftigt. Bis zum Frühjahr sollen alle Geschäftsbeziehungen gekappt werden.

Der Industrielle wollte damit jedoch kein Beispiel für einen Boykott des rassistischen Regimes in Pretoria geben, sondern er handelte unter dem Druck des Terrorismus. Schon mehrfach nämlich waren Gebäude von Firmen der Familie Fentener van Vlissingen in Flammen aufgegangen.

Zuletzt, in der Nacht des 10. Januar, zündete ein Zeitzünder in den Regalen der Makro-Filiale im kleinen holländischen Städtchen Nuth. Im Dezember hatten unbekannte Brandstifter das Makro-Center in Duiven bei Arnheim angezündet. Ein Jahr zuvor war die Niederlassung im Amsterdamer Außenbezirk Duivendrecht niedergebrannt, und bei einem erneuten Anschlag auf das Geschäft in der Hauptstadt konnten die Flammen rechtzeitig gelöscht werden.

Außerdem traf es auch andere Mitglieder des niederländischen Geldadels, etwa die Familie van Leer. Ein Flügel des Verwaltungsgebäudes ihres Unternehmens „Koninklijke van Leer Emballage Industrie“, die mit Verpackungsmaterial weltweit jährlich zwei Milliarden Gulden Umsatz macht, wurde durch Brandstiftung völlig zerstört.

Als Dritten unter den Reichen des Landes traf es den Kaufmann John Deuss, dessen schloßartige Villa bei Nimwegen niederbrannte, kurz nachdem sie aufwendig umgebaut worden war. Deuss besitzt ein ganzes Sammelsurium internationaler Handelsfirmen, die genauso wie die Unternehmen der Familien van Vlissingen und van Leer Geschäfte in und mit Südafrika machen.

Das war denn auch der Grund für die Anschläge. Die sogenannte Revolutionäre Antirassistische Aktion etwa teilte mit, sie habe die Unternehmen wegen deren „ungezügelter Geschäftemacherei mit Südafrika“ als Ziel ihrer Gewalttaten ausgewählt.