Chancen und Risiken bei ausländischen Anleihen

Die deutschen Banken sind sich noch nicht ganz schlüssig, wie sie die jüngsten geldpolitischen Maßnahmen der Bundesbank werten sollen. Auf der einen Seite wurden die Leitzinsen, also Diskont- und Lombardsatz, jeweils um einen halben Prozentpunkt gesenkt, auf der anderen Seite setzte die Währungshüterin die Mindestreservesätze um zehn Prozent herauf. Die Banken müssen nun mehr Geld zinslos auf den Konten der Zentralbank ruhen lassen. Zugleich wurde auch das Rediskontkontingent der Banken um rund acht Milliarden Mark gekürzt, die Kreditinstitute können sich also nur noch weniger Bargeld von der Frankfurter Währungsbehörde besorgen. Das Handelsblatt kommentierte dieses Maßnahmebündel denn auch als „Geldpolitik mit Zuckerbrot und Peitsche“, und am deutschen Rentenmarkt kam nur „vorsichtiger Optimismus“ auf, das heißt, die Kurse festverzinslicher Wertpapiere stiegen bis Anfang dieser Woche nur in geringem Umfang.

Im Ausland war man aber eher geneigt, den Bundesbankbeschlüssen ihre guten Seiten abzugewinnen. Der amerikanische Finanzminister James Baker sprach von Genugtuung und daß er lange auf solch ein Signal von der Bundesbank gewartet habe. Ausländische Anleger zeigten wieder stärkeres Interesse an deutschen Anleihen, wobei vor allem Papiere mit kurzen Restlaufzeiten gefragt waren.

Deutsche Anleger halten sich jedoch nach wie vor mit neuen Käufen zurück, obgleich mit bundesrepublikanischen Anleihen gar nicht so schlecht verdient wurde, wie die Tabelle „Wieviel brachten Staatsanleihen im internationalen Vergleich?“ zeigt.

Die Papiere von Bund, Bundespost und Bundesbahn belegen in dem Ertragsvergleich einen guten Mittelplatz, vom November 1985 bis November 1986 brachten diese Anleihen immerhin einen Ertrag von 8,26 Prozent. Heinrich Haverkamp, Geschäftsführer bei der WestLB Investment Banking, hält deutsche Anleihen auch jetzt noch für eine attraktive Anlage. Einen Rückschlag am deutschen Rentenmarkt erwartet er erst dann, wenn das Auslandskapital bei fehlender Zins- und Aufwertungsphantasie einmal abfließen sollte. Doch soweit sei es gewiß noch nicht. Haverkamp rät vorsichtigen Anlegern, auf Papiere mit mittleren Laufzeiten zu setzen.

Der Einjahresvergleich in der Tabelle zeigt, daß manche hochverzinsliche ausländische Anleihe einem deutschen Anleger nur wenig Freude machte. Der Grund: Die Aufwertung der Mark macht in manchen Fällen diese Anlage – wenn in Mark gerechnet wird zum Verlustgeschäft.

So ist es denn verständlich, wenn Haverkamp sogar amerikanische Staatsanleihen erst bei Wechselkursen um 1,70 Mark für einen Dollar für kaufenswert hält. Für Hartmut Wagener, Rentenmarktexperte bei der Bank für Gemeinwirtschaft (BfG), ist das Währungsrisiko beim Dollar sogar so hoch, daß er seinen Kunden keine amerikanischen Rentenpapiere anbieten möchte. Auch er empfiehlt lieber eine Anlage flüssiger Mittel in der Bundesrepublik. Dort sollten die Anleger nach Meinung von Eva-Maria Mann, Rentenmarktexpertin bei der Commerzbank, allerdings die kommenden Monate nutzen, laufende Anleihen in solche mit Restlaufzeit von drei bis fünf Jahren umzutauschen und auch freiwerdende Mittel noch innerhalb dieser Fristen anzulegen. Auch diejenigen, so Frau Mann, die in den vergangenen Jahren besonders langfristige Zerobonds gekauft haben, sollten langsam daran denken, diese wieder zu verkaufen und sich auf Papiere zu konzentrieren, bei denen das Kursrisiko überschaubar ist: