Europas Diplomaten fanden keine moderaten Worte mehr. Der EG-Kommissionspräsident, Jacques Delors, holte jüngst zu einem Rundumschlag aus: Die Gemeinschaft könne die USA nicht länger „subventionieren“, nicht ständig den Sturz des Dollars abfangen und Drohungen aus Washington wegen der EG-Süderweiterung akzeptieren. „Wir sind Partner der Amerikaner, aber nicht ihre politischen Erfüllungsgehilfen“, schimpfte der Franzose vergangene Woche. Auch die Äußerungen des britischen Präsidenten des Europa-Parlaments, Henry Plump, klangen schroff: „Wenn es zu einem Schlagabtausch kommt, dann werden sich die Amerikaner eine blutige Nase holen.“

Zuvor aber trafen sich EG-Außenkommissar Willy De Clercq und US-Handelsbeauftragter Clayton Yeutter noch einmal, um die Eskalation im Handelskonflikt zwischen den beiden Kontinenten zu verhindern. Das Gespräch am vergangenen Wochenende brachte kein Ergebnis. „Die EG muß ihren Verpflichtungen nachkommen“, gab Yeutter seinem belgischen Kollegen De Clercq mit auf den Weg nach Brüssel.

Mitte dieser Woche zeichnete sich dann ein Kompromiß auf kleinstem Nenner ab. Doch den harschen Worten werden sehr bald Taten folgen, wenn sich die Kontrahenten in den nächsten Tagen nicht einigen sollten. Dann wird umgesetzt, was angedroht ist.

US-Importzölle von 200 Prozent auf Wein, Käse und einige Gemüsesorten aus Europa von Februar an dürften den Handel mit diesen Produkten zum Erliegen bringen. Im Gegenzug hat die EG bereits „Vergeltungsmaßnahmen“ verkündet.

400 Millionen Dollar – das ist für die USA der Einsatz, um den es bei diesem Handelspoker geht. Mit dieser Summe wird der Handelsverlust beim Absatz von Futtergetreide beziffert, der sich nach Spaniens Beitritt zur EG für amerikanische Bauern ergebe. Dafür möchten sie einen Ausgleich, und zwar allein im Agrarsektor. Das Argument der Eurokraten, daß die Exportchancen im industriellen Bereich wachsen, weil hier – im Gegensatz zu Futtermitteln – die Zölle gesunken sind, zählt in den Vereinigten Staaten nicht.

Für die Europäer ist das höchst unverständlich. Denn während nicht nur die Bundesrepublik als EG-Partner, sondern auch Japan als Drittland im vergangenen Jahr ihre Exportströme bei gewerblichen Gütern nach Spanien anschwellen ließ, stagnierten die amerikanischen Lieferungen. „Die USA sind unfähig, im Handel zu reagieren“, meint ein Mitglied der EG-Kommission. „Sie warten quasi darauf, daß sich ihre Kunden nach New York bemühen.“

Freundlicher sehen die Zahlen für den gesamten EG-Raum aus. In den vergangenen zehn Jahren konnten die Vereinigten Staaten ihre Agrarexporte um siebzehn Prozent und die Ausfuhr industrieller Produkte um dreihundert Prozent steigern. Das deutet kaum auf massive Nachteile durch die Ausdehnung des EG-Blocks hin.