München

Alles hatte so harmonisch begonnen. Karl-Dieter Demisch, Geschäftsführer der Mode-Woche München, hatte eingeladen, Mitte Dezember vergangenen Jahres, und von den deutschen Modeschaffern folgten bis auf Jil Sander alle dem Ruf in die bayerische Hauptstadt.

Flug, Unterkunft im Hotel Vier Jahreszeiten und Abendbrot wurden spendiert. Eine Art Familientreffen sollte es sein, für Leute, die sonst miteinander eher im Clinch liegen als sich in den Armen. Das Wunder, alle Konkurrierenden an einen Tisch zu bringen, war nicht winterlicher Besinnlichkeit zu verdanken, sondern dem Geschäftssinn aller Beteiligten.

Eines der Probleme der deutschen Bekleidungsindustrie, das Fehlen einer Metropole und die Fülle der Messeplätze zwischen Berlin, Düsseldorf, Köln und München, das Wettrennen um den ersten Platz auf dem bundesdeutschen Kleidermarkt, ist Karl-Dieter Demisch ein Anliegen, dem er sich mit ganzer Kraft widmet. Daß Düsseldorf bei diesem, wie er sagt, „„Hase-und-Igel-Prinzip“ die Nase vorn hat, daß die deutschen Designer, im Frühjahr und im Herbst, Jahr für Jahr, mit ihren Schauen in Düsseldorf und nicht in München für An- und Aufsehen sorgten, daß also der Kaviar auf dem sonst deftig-deutschen Modebüfett in Nordrhein-Westfalen genascht wurde und nicht in Bayern, ärgerte ihn.

Mit Speck fängt man Mäuse. Und mit Mäusen fängt man Modemacher. Nach diesem simpel-einsichtigen Prinzip überreichte Demisch seinen Gästen an jenem Dezembertag im Hotel Vier Jahreszeiten ein Paket, das es in sich hatte.

Für einen vergleichsweise geringen Kostenanteil von 15 000 Mark je Designer bot er ihnen an, „weil München eine wunderschöne Stadt ist“, künftig dort ihre Schau abzuziehen – und, vertraglich geregelt, nur dort – in würdigem Rahmen, perfekt organisiert von Käfer-Köstlichkeiten bis zu den Putzfrauen, von der Technik bis zum pool mit 48 models. Auch auf der Düsseldorfer Modemesse „Igedo“ – hatten die Designer bisher eine vergleichbare Summe für Saalmiete und das Drumherum zahlen müssen; den größten Kostenfaktor jedoch, die hohen Gagen für die Modelle, die ohne weiteres mit 60 000 Mark zu Buche schlagen können, mußte jeder Modemacher, ob er konnte oder ob er nicht konnte, aus eigener Tasche zahlen.

Da fiel das Rechnen nicht schwer. Manfred Kronen, Igedo-Chef, seit Jahren eine Leitfigur in der Anzieh-Szene, eine Art Miterfinder der Deutschen Mode und sogar PR-Manager für die Designer, war ausgebootet. Immerhin gab es eine anstandsgebietende Denkpause, die bis zur Vertragsunterzeichnung in der vorletzten Woche dauerte. Und immerhin gab es während jener Münchner Weihnachtsfeier eine mehrstündige Diskussion, die freilich in einem, so war zu hören, „noch nie dagewesenen Skandal“ gipfelte, einem Skandal, der der klatschbegeisterten Branche Plauderfutter zur Genüge lieferte.