Von Gunhild Freese

Er sollte zum "Schlüsselfall" für die Wettbewerbspolitik im Handel werden: der Fall Metro/Kaufhof. "Wenn wir gewinnen", so hatte Wolfgang Kartte, Präsident des Bundeskartellamtes, zu Beginn der achtziger Jahre noch prophezeit, "dann können wir etwas gegen die Konzentration im Handel tun."

Nun, nach ihrem vierten, aber erfolglosen Versuch, die Übernahme des Kölner Warenhauskonzerns Kaufhof durch den Düsseldorfer Großhandelsgiganten Metro zu verhindern, gaben die Wettbewerbshüter auf. Und wie sich das Berliner Amt künftig einer anschwellenden Konzentrationswelle erwehren will, das muß sich erst noch zeigen.

Mit "dieser Niederlage des Kartellamtes" (so die "bestürzte" Hauptgemeinschaft des deutschen Einzelhandels) endet eine mehr als siebenjährige juristische Auseinandersetzung zwischen der Berliner Wettbewerbsbehörde und der Metro, die bis zur letzten Instanz, dem Bundesgerichtshof, geführt hatte.

Schon im März vergangenen Jahres hatten die obersten Bundesrichter die Berliner Beamten abgeschmettert. Ihre Argumentation der Marktabgrenzung und die daraus abgeleitete Marktbeherrschung der Metro wurde verworfen. Als danach eine Befragung durch die Wickert-Institute, von den einstigen Kontrahenten beauftragt, ergab, daß die Metro-Kunden keineswegs auf die Metro allein angewiesen sind, gaben die Berliner klein bei.

Den Einstieg in das traditionsreiche Kölner Warenhausunternehmen hatte die Metro der Dresdner und der Commerzbank zu verdanken, die sich Ende 1980 mit dem Verkauf von Teilen ihrer Kaufhof-Beteiligungen aus einer finanziellen Klemme retten mußten. In den Chefetagen der etablierten Handelsunternehmen rümpfte man zunächst die Nasen, hatte sich doch ein Parvenu mit nicht eben feinen Geschäftssitten in eine altehrwürdige Institution eingekauft. Doch die neuen Kaufhofherren brachten frischen Wind ins 1879 gegründete, träge gewordene Unternehmen. An der Spitze des Aufsichtsrats löste der gewiefte Händler und Metrochef Erwin Conradi die betulichen Bankenmanager ab.

Nun kann die Metro sogar – so sie denn will – den Kölner Kaufhof zu einer hundertprozentigen Tochter machen. Doch die verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen den Unternehmen sind ohnehin schon eng geknüpft. Schon Ende 1980, als die Metro mit 24 Prozent beim Kaufhof einstieg, hatte niemand in der Branche an die offizielle Metro-Version geglaubt, es ginge ihr lediglich um eine Finanzbeteiligung. Doch unternehmerische Einflußnahme konnte das Kartellamt der Metro nicht nachweisen.