„Sehnsucht nach Afrika“ von Jean-Jacques Annaud

„Afrika ist keineswegs die exotische Hölle, die wir aus unseren Abenteuerromanen kennen...“‚ schreibt der junge Geologiestudent aus dem Westen Afrikas seinem Professor nach Paris. Afrika im Jahre 1915: das sind lethargisch in der Mittagssonne dösende Franzosen, das sind, nur ein paar Kilometer entfernt, Kommandos brüllende Deutsche, die aus den Schwarzen auf ihrem Territorium stramme Soldaten machen wollen. Ein Film also über die Kolonialzeit zu Beginn unseres Jahrhunderts und doch mehr: eine bittere, wenngleich mit Humor präsentierte Satire über die Auswüchse übertriebener Vaterlandsliebe. Sechs Monate nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges dringt die Kunde davon auch nach Westafrika. Das friedliche Miteinander der Kolonialisten ist vorbei.

Freilich, die weißen Herren kämpfen nicht selber, sie lassen kämpfen. Die Franzosen gruppieren sich gar zum Picknick im Gras à la Manet und beobachten das blutige Geschehen. Dem Geologiestudenten ist der Krieg nur recht. Hier findet er das lang vermißte Abenteuer. Wie ein Feldherr entwickelt er Angriffsstrategien und läßt sich durch einen schwarzen Diener mit weißen Handschuhen vom Pöbel abschirmen. Zehn Jahre nach seiner Fertigstellung hat der Film „Sehnsucht nach Afrika“ („Black and White in Color“) – nach „Jenseits von Afrika“ ein spekulativer Titel –, der 1977 den „Oscar“ für die beste ausländische Produktion erhielt, nichts von seiner Brisanz verloren. Annauds Mammutwerk „Im Namen der Rose“ allerdings, nun schon über drei Monate in unseren Kinos, wird er wohl kaum überrunden.

Anne Frederiksen

Sehenswerte Filme

„Hannah und ihre Schwestern“ von Woody Allen. „Caravaggio“ von Derek Jarman. „Down by Law“ von Jim Jarmusch. „Mission“ von Roland Joffé. „Blue Velvet“ von David Lynch. „Der Rosenkönig“ von Werner Schroeter. „Um Mitternacht“ von Bertrand Tavernier. „Opfer“ von Andreij Tarkowskij.