Von Stefan Stremel

München

Beständigkeit gehört zu den Primärtugenden eines Ordnungshüters. Und es stimmt: Man kann sich auf die Schwarzen Sheriffs von München verlassen. Mit bedrückender Beharrlichkeit schaffen es die stets in schwarz gekleideten Wachmänner des zivilen Sicherheitsdienstes – ZSD Carl Wiedmeier GmbH, ebenso regelmäßig wie unrühmlich in die Schlagzeilen zu kommen. Meist geschieht dies aufgrund ihrer offenbar sehr zupackenden Dienstauffassung. „Von Schwarzen Sheriffs totgeschlagen?“ fragte Anfang des Jahres wieder eine Überschrift im Münchner Lokalteil der Süddeutschen Zeitung. Einige Tage später, ein neuer Fall und die alte Klientel: „Wohnsitzloser zeigt Schwarze Sheriffs an“. Ein Dauerbrenner der Münchner Kommunalpolitik züngelt auch im neuen Jahr.

„Der Münchner Bevölkerung sind die Schwarzen Sheriffs nicht mehr zuzumuten“, forderte die Rathaus-SPD nach den beiden neuen Fällen: Der 46jährige Albert Schömer hatte vor seinem Tod in einer Münchner Klinik erklärt, er sei von Schwarzen Sheriffs zusammengeschlagen und bewußtlos liegengelassen worden. Eine von der Staatsanwaltschaft angeordnete Obduktion ergab: Mehrere Rippen des Mannes waren gebrochen. Er starb an Blutgerinseln im Körper und einer Lungenentzündung. Einen Rippenbruch und Gesichtsverletzungen erlitt ein 27jähriger, der nach eigenen Angaben im U-Bahnhof Sendlinger-Tor-Platz von drei Schwarzen Sheriffs zum Genen aufgefordert worden war. Auf eine Frage an die Hüter der Ordnung habe er einen Kniestoß in den Bauch erhalten. Als er eine halbe Stunde später in den Bahnhof zurückgekommen sei, hätten ihn die drei in einem Wachraum mit Fußtritten und Boxhieben malträtiert.

Berichte dieser Art begleiten das knapp 13jährige Wirken der Privatwächter im öffentlichen Auftrag. Meist sind die stets als Doppelstreife auftretenden Sheriffs im Untergrund tätig. Die Truppe des Karatekämpfers und Besitzers von „Oh-Do-Kwan-Kampfscnulen“, Carl Wiedmeier, soll vornehmlich die Münchner U-Bahn schützen. Doch zum Aufgabengebiet der ob ihrer Wildwestmethoden umstrittenen Sheriffs zählen auch Heizkraftwerke, das Stadtsteueramt München, das Kernforschungszentrum Garching, das Kernkraftwerk Isar I in Ohu bei Landshut und die Ruderregattastrecke in Oberschleißheim vor den Toren Münchens. Sie sind in jener Marktlücke tätig, die von der Polizei offensichtlich nicht ausgefüllt wird und die der Branche der Wach- und Sicherheitsdienste zum Aufschwung verhalf.

Kaum eine dieser Truppen ist so umstritten wie die in Karate und Combatschießen geschulten Sheriffs, die statt dem breitkrempigen Cowboy-Hut ihrer Vorgänger schwarze Dienstmützen tragen. Um „markante Männer mit harten Nerven, Disziplin und sozialer Intelligenz“ handelt es sich, so die Werbung des Sicherheitsdienstes. „Wir brauchen keine Beschützer, die uns gegenüber den wilden Mann spielen“, meint hingegen die Süddeutsche Zeitung aufgrund der ihrer Meinung nach „rabaukenhaften Auswüchse“ der Untergrund-Bewacher. Die wiederum erhielten Zuspruch vom Münchner Korrespondenten der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Der hatte offenbar genaue Beobachtungen angestellt: „Wer Streit sucht, sieht auf den ersten Blick: Das sind allesamt junge kräftige Männer mit durchtrainiertem Körper. Blitzschnell tauchen sie auf, blitzschnell verschwinden sie wieder.“

Um den zweiten Teil dieser Erscheinung, nämlich das Verschwinden der privaten Ordnungstruppe, hat sich der Landshuter SPD-Landtagsabgeordnete Andreas Schlittmeier jahrelang bemüht – lange vergeblich. Es brachte ihm eine Flut von Prozessen ein, mit der ihn der Ober-Sheriff Wiedmeier überzog – und das, obwohl ihm gleich vier bayerische Ministerien auf Anfrage ein umfangreiches Sündenregister der Privatarmisten übermittelten.