Von Dirk Kurbjuweit

Er ist achtzehn Jahre alt und hat ein klares Ziel vor Augen: "In den nächsten Jahren will ich mehrfacher Millionär werden." Viele wollen das, vor allem in seinem Alter. Aber bei Marco Börries aus Lüneburg sind solche Sprüche nicht jugendliche Schwärmerei, sondern realistisch. Er ist Chef eines High-Tech-Unternehmens, und wenn der Laden weiterläuft wie bisher, werden sich die Millionen tatsächlich bald auf seinem Konto sammeln.

Umsatzmillionär ist er schon. Seine Firma Star Division produziert Software, also Programme für Computer, und setzte damit 1986 "über eine Million Mark" um; das sagt Marco Börries zunächst. Später sagt er die tatsächliche Zahl, "aber die dürfen Sie nicht schreiben". Nur soviel: Der junge Mann hat ziemlich untertrieben. Im Januar und Februar 1987 hat Star Division den Gesamtumsatz des letzten Jahres schon erreicht.

Marco Börries trägt die Uniform seiner Generation: Jeans, Cowboystiefel, Boss-Pullover. Eine Zeitung nannte ihn Milchgesicht; das war nicht nett, aber treffend. Wer ihn näher kennenlernt, merkt schnell, daß er anders ist, als sonst Achtzehnjährige sind. Er wirkt ungewöhnlich clever und abgebrüht, als habe er Erfahrungen gemacht, die für sein Lebensalter nicht üblich sind.

Ihm selbst kommt es so vor, als habe er in den letzten drei Jahren, während des Aufbaus seiner Firma, einen Riesensprung gemacht, als habe er einige Lebensjahre überschlagen. Da liegt die Vermutung nahe, daß ihm diese Zeit einmal fehlen könnte. Von diesem Problem war schon einmal im Zusammenhang mit einem anderen jungen Deutschen die Rede, im Sommer 1985. Damals gewann Boris Becker zum ersten Mal Wimbledon.

Frank Elstner sind die Parallelen zwischen Boris und Börries wohl auch aufgefallen. Zusammen sollten sie in seiner Fernsehshow Menschen 86 auftreten. Da der Tennisstar jedoch absagte, platzte das Treffen der Senkrechtstarter. Schade, denn man kann sich gut vorstellen, wie sie da zusammen gesessen hätten, schon äußerlich mit auffallenden Ähnlichkeiten: beide blond, beide groß, beide ein bißchen schlaksig, und auch Becker wurde schon Milchgesicht genannt. Im flotten Gespräch hätte Elstner weitere Parallelen offenlegen können: so jung und schon so viel Erfolg und so reich. Natürlich ist Boris viel reicher als Marco, aber auch der kann sich einen Mercedes seiner Wahl leisten. Zum Schluß hätte Frank Elstner vielleicht gesagt, daß dies doch zwei wahre Prachtbeispiele für die neue deutsche Jugend seien.

Und wirklich: Auch Marco Börries ist so, wie sich viele die junge Generation wünschen – kein bißchen technikfeindlich, ungeheuer ehrgeizig, leistungsbereit bis an den Rand der Selbstaufgabe. Einige seiner Sprüche passen vortrefflich in das Wahlprogramm konservativer Parteien: "Mit Leistung", sagt er, "kann man alles erreichen." Er selbst ist sich das beste Beispiel. Mit Fleiß und guten Ideen hat er aus dem Nichts eine atemberaubende Karriere gemacht.