Bis in die Gegenwart, so sagte Arbeitgeberpräsident Klaus Murmann jetzt auf der Hannover-Messe, zeichne sich die Bundesrepublik durch ein hohes Maß an Konsensfähigkeit der „Sozialpartner“ aus. Doch wenige Tage vorher nur hatte er an einem Pfeiler eben dieses Konsenses gerüttelt und erklärt, was für die Arbeitgeber zu der von ihm in Hannover beschworenen „modernen Sozialkultur“ gehört: Die Möglichkeiten zur Kündigung von Arbeitnehmern soll gelockert werden.

Aus dem Bundesarbeitsministerium erhielt er flugs die passende Antwort: Die Arbeitgeber sollten sich „lieber Gedanken über Neueinstellungen als über Kündigungen machen“. Schließlich bietet das Beschäftigungsförderungsgesetz ihnen viele flexible Möglichkeiten.

Die Hoffnungen, daß der neue Arbeitgeberpräsident das spannungsgeladene Verhältnis zu den Gewerkschaften auflockern werde, schwinden dahin. Nur wenige Monate im Amt bewegt sich Murmann weiter auf den starren Gleisen traditioneller Verbandspolitik. Der neue Vorstoß fügt sich nahtlos an frühere Forderungen zur Minderung des Arbeitsrechts. Für die Arbeitgeber wird das Wort „sozial“ offenbar immer mehr ein ärgerliches Adjektiv der Marktwirtschaft. hm