ländern neue Stahlindustrien aufgebaut worden sind. Demzufolge kann das alte Industrierevier Europa nicht mehr in diese Länder exportieren, genausowenig wie England heute noch Kattun nach Indien liefern kann. Ich glaube, die Europäer müssen ihren Frieden machen mit ihrem großen heimischen Markt, denn das ist der Markt, der uns langfristig offen steht.

ZEIT: Sie gehen also davon aus, daß die Europäische Gemeinschaft auf Dauer nicht mehr Stahl produzieren wird als sie selbst verbraucht? Rohwedder: Ich glaube, daß wir strukturell keine Exportüberschüsse erzielen werden.

ZEIT: Müssen wir uns dann nicht darauf einstellen, eines Tages sogar Nettoimporteur von Stahl zu werden, der ja doch ein archaisches Produkt ist?

Rohwedder: Dem kann ich natürlich nicht zustimmen, der letzten Bemerkung mit dem archaischen Produkt. Ich hatte eigentlich gedacht, ich hätte schon im ersten Teil unseres Gesprächs klargemacht, daß Stahl ein Werkstoff ist, der für die deutsche Vokswirtschaft unverzichtbar ist. ZEIT: Vielleicht können wir doch ein bißchen differenzieren. Es gibt schließlich Stahlprodukte, die Sie aufgegeben haben, einfache Stähle, die wirklich die Bezeichnung archaisch rechtfertigen. Rohwedder: Ja, das ist richtig. Weidepfähle macht hierzulande keiner mehr. Unser Feld ist technologisches Spitzenprodukt. Den Feld Waldund Wiesenstahl sollten wir den jungen Produzenten überlassen.

ZEIT: Zwischehfazit ist wohl, daß es beim Perr sonalabbau keine feste Linie gibt, von der man sagen kann, bis dahin und nicht weiter.

Rohwedder: Nein, es gibt keine solchen Haltelinien. Jeder, der Kapazitätszahlen bisher festgeschrieben hat, ist damit gescheitert. Ich erinnere an Ludwig Erhard und seine 140 Millionen Tonnen Garantie für den deutschen Bergbau.

ZEIT: Damit stehen Sie im Widerspruch zu einer ideologischen Koalition von Unternehmen, Gewerkschaften und Politikern, die den Arbeitnehmern suggerieren, es gäbe irgendeine Mindestgröße.