Von Gunter Hofmann

Komm mit nach Bremen, etwas Besseres als den Tod finden wir überall.

Hessischer Esel und Stadtmusikant

Zur Wahl steht, jedenfalls im Autoradio, der Hessische Rundfunk, wo Heiner und Babett an diesem Sonntag wie seit Jahrzehnten hessisch über Segen und Fluch der Kleingärtnerei babbeln. Das war so, so weit man sich zurück erinnern kann. Oder soll man sich doch für den dröhnenden AFN (American Forces Network, Frankfurt) entscheiden, der allmählich immer besser zu verstehen ist? Auf der Suche nach dem "politischen Hessen" nähern wir uns dem Vogelsberg an. "L" – so steht es auf den Autokennzeichen, eine schwache Erinnerung an die Zeit, als wildgewordene Modernisierer die zwei alten Städte Gießen und Wetzlar verwaltungsgerecht zu der Neu-Stadt Lahn I und II kaputtsanieren wollten. Holger Börner hat das damals gestoppt.

Aus Frankfurter Sicht erscheint es recht lächerlich, das politische Hessen im Vogelsberg zu suchen. In Frankfurt laufen doch alle Fäden (und Autobahnen) zusammen. Aber aus der Herbsteiner Sicht zum Beispiel befinden wir uns nicht nur mitten im Vogelsberg, sondern auch "am Mittelpunkt der Bundesrepublik".

Notizen aus der Provinz: Über "sein" Herbstein kann Fritz Reith, der evangelische Pfarrer, jede Menge erzählen. Nach einem Umweg über Bonn kam der Frankfurter in die Provinz. In Herbstein leben 1600 Katholiken und 400 Protestanten. Hier wiegt noch schwer, wer zu welcher Kirche gehört. Im Ort regiert die CDU. Den Pfarrer und den Lehrer halten wohl viele für grün,

Hessen war immer stolz darauf, an der Spitze des Fortschritts zu stehen. "Hessen vorn", hieß die geniale Devise. Hessen vorn? Der Volkstrauertag, fällt dem Pfarrer auf, heißt in Herbstein noch oft "Heldengedenktag". Er findet, manches klinge so, als sei die Geschichte am Vogelsberg oder an diesem Mittelpunkt der Bundesrepublik vorübergegangen.