Das ist ja", seufzte meine Freundin mit kaum verhohlenem Heimatstolz, "das ist ja die reinste Werbung für Schleswig-Holstein." An jenem Samstagabend senkte sich gerade zum zweitenmal dekorativ und herzergreifend die güldene Sonne über die Guldenburg-Serie. Was wir nicht ahnten: Die Werbung hatte schon gewirkt.

Die Geister, die er rief, wird er nun nicht mehr los, der Herr Graf, der für 40 000 Mark die Fassade seiner hochherrschaftlichen Behausung in Wotersen als Guldenburg-Bleibe dem Fernsehen zur Verfügung gestellt hatte. Kaum waren die Guldenburgschen vor schleswig-holsteinischer und hanseatischer Kulisse in Aktion getreten, schon traten die ersten Touristen die Reise an, um, wie weiland Professor Brinkmann im Glottertal, nun Deutschlands Adel im Kreis Herzogtum Lauenburg auszumachen. Nun muß Seine Hochwohlgeboren um Rasen wie um Intimsphäre bangen. Denn, so entnahm man bald nach Serienstart den Gazetten, fürwitzige Ausflügler zertrampelten die Grünflächen der Bernstorffschen Latifundien, und neugierige Herta- oder Christine-Verehrer drückten sich an den Fensterscheiben des Schlosses die Nasen platt. Schon rollten die ersten Kaffeefahrtenbusse an: Rheumadeckenverkauf mit Blick aufs Schloß? Schon servierte der Graf mit gesundem Sinn fürs Merkantile am Drehort "Schloßküche" adelssüchtigen Damen Kaffee und Butterkuchen für einsfünfzig: der Graf zur Serie. Nun hört man, er wolle gar nach Dallas fliegen, um auf der Southfork-Ranch zu lernen, wie man es so mache mit dem Vermarkten.

Aber auch beim Fremdenverkehrsverband wird gegrübelt, wie der gestiegenen Nachfrage nach Herrschaft und Herrenhäusern Rechnung zu tragen sei. Die Guldenburgs ziehen ihre Kreise. Die ersten Anfragen, wo man denn nächtigen könne im Adelsland (Wotersen ist schließlich kein Schloßhotel), liegen bereits vor. Pauschalprogrammgemäß vorbereitet war man allerdings nicht auf den Boom, so groß war’s dann doch nicht, das Vertrauen auf den Glottertaleffekt. Indes, was bislang nur Kennern bekannt war, der Reiz des Landes zwischen den Meeren mit seinen kleinen Provinzidyllen und seinen großen Gutshäusern gewinnt dank stetig wachsendem Guldenburg-Rummel nun an Popularität. Und so wird jetzt getüftelt, wie man die plötzlich aufgekeimte Liebe zu rapsfeldumwogten Herrenhäusern in konkrete Angebote ummünzen kann.

Das Product-Placement war perfekt. Hoffen wir, daß Graf Thomas nicht zu lange in Frankreich weilt, damit auch wirklich Schleswig-Holstein beständig im Blickfeld bleibt.

Monika Putschögl