Die Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und der DDR haben sich auch in schwieriger Zeit positiv entwickelt. Darin waren sich SED-Chef Honecker und Kanzleramtsminister Schäuble am vergangenen Freitag in Ost-Berlin einig.

Ganz offenkundig ist Bewegung in die Deutschlandpolitik gekommen. Die Verhandlungen über ein Rahmenabkommen zum Umweltschutz und über ein Abkommen zur Zusammenarbeit in Wissenschaft und Technik, die schon sehr weit gediehen waren und dann ins Stocken gerieten, sollen jetzt zügig zu Ende geführt werden. Die Reisen von DDR-Bürgern in dringenden Familienangelegenheiten, die sich schon im vergangenen Jahr etwa verdreifacht hatten, nehmen weiter zu. Erstmals seit Monaten kamen auch wieder freigekaufte Häftlinge aus der DDR.

Dem Berliner Senat hat die DDR zudem angeboten, die von ihrer Seite unterbrochenen Gespräche über einen weiteren Gebietsaustausch wieder aufzunehmen. Schließlich ist die DDR auch bereit, über einen Stromverbund mit der Bundesrepublik unter Einbeziehung West-Berlins zu sprechen.

Man wolle die Chancen der jetzt besseren internationalen Rahmenbedingungen nutzen, sagte Kanzleramtsminister Schäuble vor Journalisten. Mit anderen Worten: In der Vergangenheit waren die deutschlandpolitischen Spielräume nicht so, wie sich beide Seiten dies gewünscht hätten. Weil Moskau bremste, konnte Honecker bisher die Einladungen in die Bundesrepublik nicht annehmen. Das schlechte Verhältnis zwischen der Sowjetunion und den USA war sicher eine der wichtigsten Ursachen dafür; politische Unsicherheit in Moskau kam dazu.

Nun nähern sich die beiden Supermächte einander wieder – und wie befreit von lästigem Druck gewie die Deutschlandpolitiker in Bonn und Ost-Berlin wieder auf Verhandlungskurs. Offenkundig hat die Verhandlungspolitik, die seit dem Grundlagenvertrag von 1972 zum Abschluß von mehr als hundert Verträgen, Abkommen und Vereinbarungen geführt hat, eine eigene Dynamik bekommen, die durch internationale Klimaveränderungen zwar zu bremsen, aber kaum noch aufzuhalten ist.

Die DDR-Führung genießt die wirtschaftlichen und finanziellen Vorteile dieser Politik, gewinnt an Reputation und Anerkennung, und erreicht dadurch obendrein ein Maß an innenpolitischer Entspannung und Befriedung, das sich die Abgrenzungsapostel der SED nicht hätten träumen lassen.

Daß Bonn und Ost-Berlin nun auch ihr Gewicht bei den Abrüstungsgesprächen der beiden Großen geltend machen wollen, mag für den Fortgang dieser Verhandlungen ohne allzu große Bedeutung sein, zeigt aber doch gemeinsame Interessen und die Abkehr von bloßer Propaganda und Polemik.