Von Doris Cebulka

Ich bin gern so angezogen wie die Leute, die vorm Fernseher sitzen. Das nimmt die Distanz“, sagt Dénes Törzs, zupft noch einmal am Ärmel seines dunkelgrünen Pullovers und lächelt entspannt in die Kamera. Dann leuchtet die rote Lampe im Studio auf, und er kommt auf den Bildschirm: Dénes Törzs, der Mann mit dem schwierigen Namen, dem legeren Pullover und dem verbindlichen Lächeln. Er moderiert seit zehn Jahren das Dritte Fernsehprogramm des Norddeutschen Rundfunks und hat sich dabei einen Namen gemacht als ein Ansager ganz neuen Typs.

Törzs nimmt sich Zeit für den Zuschauer. Ehe er loslegt, ist da dieser Augenblick: Er zwinkert, beugt den Oberkörper vor und wirft einen Blick in unser Wohnzimmer. Dann ist das Eis schon gebrochen, und er sitzt wie ein guter Bekannter in unserer Runde. Auch was er zu sagen hat, klingt wie die Rede eines Freundes. Das Stocken zwischen den Worten, das Auskosten der Adjektive ist dem spontanen Sprechen zu ähnlich, als daß es einstudiert sein könnte. Und doch – jede Betonung, jede Pause sind notiert auf dem Blatt Papier in seiner Hand.

Törzs kündigt die Sendungen an und verrät auch seine Meinung dazu. Ein „na ja“ mit langem Lidschlag – und zu Hause weiß jeder, heute muß man nicht unbedingt beim Dritten Programm bleiben. Ein „herzlich willkommen“ mit Händereiben – und es folgt ein Klassiker der Filmgeschichte oder ein Jazzkonzert.

Seit Törzs im Norddeutschen Fernsehen moderiert, haben sich die Einschaltquoten verdreifacht. Es soll sogar Zuschauer geben, die nur für die Moderation aufs Dritte schalten. Die Ansagen sind bei Törzs nicht nur Überleitungen von der „Sesamstraße“ zur „Kino-Werkstatt“. Es sind Ein-Mann-Shows mit Kaffeetasse, mit Anleitung zum Bau eines Papier-Flugzeugs oder mit einem Jürgen-Roland-Interview.

Vor 53 Jahren ist Törzs in Kassa, einem Ort der östlichen Slowakei, geboren. Zwar sprach man zu Hause auch gelegentlich deutsch, aber prägend war das Ungarische. „Als wir nach Stuttgart geflüchtet sind, hatte ich furchtbar unter meinem Akzent zu leiden.“ Er war damals zehn Jahre alt, und die Mitschüler konnten sich nicht mehr halten vor Lachen, wenn er den Mund aufmachte. Zehn Jahre später hatte er auf der Schauspielschule in Düsseldorf wiederum ungewollten Lacherfolg. Diesmal als „schwäbische Marika Rökk“. Die Phonetik-Stunden wurden durch ihn zum Geheimtip. „Als die Lehrerin sich in den Kopf gesetzt hatte, mich am Anfang jeder Stunde den Leitartikel der Welt lesen zu lassen, wurde der Kurs proppenvoll. Der kleine Ungar liest, hieß es damals.“ Es folgten Jahre, in denen er als Schauspieler und Dramaturg an Bühnen im Ruhrgebiet gastierte, aber „in Deutschland kann man nicht jahrelang als Schauspieler arbeiten“. So wurde Törzs Sprecher beim NDR.

In einem kleinen ungemütlichen Büro im Funkhaus mit Hamburg-Postern an der Wand und halbvollen Bücherregalen unterhalten wir uns zwischen seinen Auftritten. „Madame“ nennt er mich. „Madame“ sagt er auch zu den Frauen am Telephon: „Ja, Madame, womit kann ich dienen... oh, ja, ich verstehe ... vielen Dank und noch einen guten Abend.“ Eine ältere Frau ruft an und fordert ihn auf, den James-Bond-Film sofort abzuschalten: „Der Bond geht ja schon wieder mit einer anderen ins Bett. Das darf doch nicht gezeigt werden, wo doch jetzt das mit dem Aids so ist.“ Törzs hört sich die Bedenken der Frau an, spricht mit ihr über James Bond. Und dann auch über die Kinder der Frau, die in dem Alter sind, in dem man die ersten sexuellen Erfahrungen macht.