Monsieur Le President hat Sorgen. Nicht etwa, daß die Aktien des Investment-Clubs. dem er vorsteht, gefallen wären. Im Gegenteil. In nur einem Jahr hat sich der Wert des Portefeuilles um fünfzig Prozent erhöht. Doch der Vorsitzende leidet gleichwohl unter der Last seines Amtes.

Seit nämlich das französische Fernsehen über die Aktivität des Börsenvereins berichtet und ihn zu einem Interview gebeten hat, wird er sogar auf der Straße erkannt. Und das beunruhigt ihn sichtlich. Schließlich wohne er, stöhnt er verwirrt, direkt neben einer Mädchenschule. Was ihn da wohl in Zukunft erwarte...? Hilflos zuckt er die Schultern.

Die Angst des Präsidenten vor möglicher Zügellosigkeit des anderen Geschlechts ist allzu verständlich, sind seine Erfahrungen auf diesem Gebiet doch noch äußerst begrenzt: Börsenclub-Vorsteher Remi ist zwölf Jahre alt und mißt knapp einen Meter und fünfzig Zentimeter. Unter den insgesamt zwanzig Clubmitgliedern aber ist er keineswegs der Youngster. Estelle ist noch zwei Jahre jünger als er. Selbst der älteste Teilnehmer hat gerade seinen dreizehnten Geburtstag hinter sich.

Seit knapp einem Jahr treffen sich die Mini-Börsianer regelmäßig einmal im Monat, um über An- und Verkauf von Aktien zu beraten. Und das nicht etwa nur zum Spaß: Sie spekulieren mit echten Wertpapieren, ihr Einsatz beträgt fünfzig Franc (rund 15 Mark) monatlich. Inzwischen gibt es in Paris bereits 28 sogenannte „Junior“-Investment-Clubs, in denen Acht- bis Sechzehnjährige das Spekulieren üben.

Die Idee hatte Jean Pierre Belot, Vorsitzender der „Association nationale familiale pour l’enfance“ (Anfen). „Wir wollen keine frühreifen Finanziers heranzüchten, sondern bei den Jugendlichen Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge wecken“, beschreibt der Franzose sein Ziel. Denn das stehe bisher auf keinem Lehrplan. Belot: „In der Schule lernt man alles Mögliche. Nur nicht, wie die Wirtschaft tatsächlich funktioniert.“

Betreut werden die Clubs von Ökonomiestudenten, im Vereinsjargon „großer Bruder“ genannt. Sie erklären den Nachwuchs-Spekulanten, wie das Börsengeschäft funktioniert und beraten sie bei ihren Entscheidungen. Ausgestattet mit der Vollmacht der Eltern, geben sie die Aufträge der Jung-Börsianer an Makler weiter, da laut Gesetz nur Volljährige mit Aktien handeln dürfen.

Der „große Bruder“ ist laut Statut jedoch der einzige Erwachsene, der Zutritt zu den Clubsitzungen hat. „Mama und Papa nämlich“, erklärt Belot diese Regelungen, „könnten ihre Sprößlinge zu sehr beeinflussen.“