Von Elisabeth Henze

Anfang April befällt eine merkwürdige Krankheit ganz Japan. Schon durch den Blick aus dem Fenster wird man infiziert.

Sakura – die Kirschblüte – ist der Erreger, und wenn diese Nachricht die Runde macht, dann ist das Fieber auf dem Höhepunkt.

Wochenlang setzt sich eine wahre Völkerwanderung in Bewegung, Millionen Japaner strömen in ihre weltberühmten Parks und Gärten, um die rosarote Blütenpracht zu bestaunen.

Fernsehen, Hörfunk und Presse berichten über die schönsten Stellen, an denen die Sakura zu sehen ist.

In Kyoto, Osaka und Tokio beginnt die Kirschblüte Anfang April und dauert ein bis zwei Wochen. Im Süden hält die Sakura etwas früher Einzug, und im Norden kann die Blütenpracht erst Anfang Mai bestaunt werden.

Kein anderes Ereignis als die Sakura versetzt die Japaner in größeres Entzücken, und ein wahres Happening beginnt. Die weitausladenden Äste der Kirschbäume sind von der Blütenlast so schwer, daß sie von kunstvollen Bambusgerüsten gestützt werden müssen. Überall lassen sich Menschen in großen und kleinen Gruppen nieder. Sie alle genießen die Frühlingsstimmung und inhalieren den schweren, betäubenden Duft der Kirschblüte.