"Asterix bei den Briten" von Pino van Lamsweerde

Es gibt Menschen, die sagen, "Doktor Schiwago" habe ihnen als Buch viel besser gefallen, obwohl sie niemand gefragt hat und obwohl sich die Frage so nicht und sowieso nicht stellt. Denn ein Buch ist ein Buch, und ein Film ist ein Film, und Whisky gehört nicht ins Eisfach, und wer das nicht weiß, der trägt auch breite Schlipse. Wenn aber ein Comic zu einem Zeichentrickfilm umgearbeitet wird, darf man getrost über den Film meckern.

Zappelige, ruckartige Animation; flächige Figuren vor plastischem Hintergrund (und manchmal plastische Figuren vor flächigem Hintergrund); völlig unmotivierte optische Gags, die weder komisch noch der Handlung förderlich sind, bei gleichzeitigem Verzicht auf bewährten Ulk aus der Vorlage; überflüssige Opulenz, aber kein Auge fürs Detail; kaum akustische Effekte und x-beliebiger Musikbrei: Können wir Europäer so was nicht? Doch. "Lucky Luke" wurde vorbildlich verfilmt. Dr. Adolf Kabatek vom Ehapa Verlag hat dem neuen Asterix-Film eine Übersetzung in Schwerpunktgesamtschuldeutsch besorgt (der Imperativ Singular von "geben" heißt "gib", Herr Doktor, um nur ein Beispiel zu nennen), und derselbe Dr. Adolf Kabatek ist es auch, der in einer Talkshow ausgeführt hat, seine Übersetzungen seien zuverlässig um soundsoviel Prozent komischer als das Original, womit wir endlich eine verbindliche Meßlatte für die Komikberechnung hätten, weshalb es ihm auch zu gönnen ist, daß er für seine Bemühungen um Asterix zum Chevalier der Legion d’Honneur geschlagen wurde. Der einzige Lichtblick ist Chris Howland als deutsche Synchronstimme des biederen Briten Jolitorax (der allerdings auf deutsch Teefax heißt; wie komisch).

Eine Geburtstagsgesellschaft von Zehnjährigen, finster zum Amüsement entschlossen, war froh, als das Licht im Kino wieder an- und das Leben weiterging. Armer Oliver (oder Jakob, oder Patrick, oder Florian), wenn du nur etwas später Geburtstag hättest, wärst du mit deinen Freunden in Steven Spielbergs "Feifei der Mauswanderer" gegangen, und sie hätten sich noch weit bis ins 21. Jahrhundert hinein voll Hochachtung und Liebe deines Ehrentags entsonnen. Harry Rowohlt

"Zurück in die Gegenwart – Star Trek IV" von Leonard Nimoy

Als der Weltgeist, der sich längst seines verdienten Ruhestands erfreute, feststellen mußte, daß die Menschen Schindluder mit der Natur trieben, materialisierte er sich als riesigen rostigen Nagel und knipste allen Raumstationen das Licht aus. Wenn nun Spöck nicht rechtzeitig bemerkt hätte, daß der Weltgeist zahlendes Mitglied bei Greenpeace war und nach dem Verbleib der schon vor Zeiten ausgerotteten Buckelwale forschte, wäre es gleich aus gewesen. So aber trommelte er mit Captain Kirk die übrigen Mitgleider der Rentnerband zusammen und düste aus dem 23. Jahrhundert zurück ins Jahr 1986, um schnell ein paar singende Wale zu besorgen. Auf der Erde sieht’s böse aus: Umweltverschmutzung, Punks und die Computer veraltet. Wie Wesen vom andern Stern tapern die Leute vom Raumschiff Enterprise durch die Straßen von San Francisco. Sobald sie ein wenig fluchen gelernt und die beiden Wale geklaut haben, verschwinden sie auch schon wieder von diesem unwirtlichen Planeten. Und der Weltgeist? Der entdeckt die beiden mitgebeamten Buckler, übersieht, weil ihm rechtzeitig Hölderlin einfällt ("Seit ein Diskurs wir sind/und hören können voneinander"), den Schwindel großzügig und verzieht sich wieder in die Tiefen des Alls. Die Welt wäre gerettet, Jutta Ditfurth zufriedengestellt, und ewig singen die Wale. Et in universo ökopax.

Willi Winkler